Kultur

Jazz Kölner Quartett Schmid’s Huhn in der Klapsmühl’

Mit viel Innigkeit

Archivartikel

In der notorisch humorfreien Zone des modernen Jazz klingt ein Band-Name wie Schmid’s Huhn verheißungsvoll anders. Doch erschöpft sich der Witz in einer lustigen Kombination der Namen der zwei Frontleute. Sie heißen Stefan Karl Schmid und Leonhard Huhn und spielen beide Saxofon. Und das tun sie keineswegs mit einem Augenzwinkern, vielmehr besonders ernsthaft; mit einer stoischen Bedächtigkeit.

Zusammenspiel aus einem Guss

Wer die Prinzipien ihrer Musik dagegen akzeptiert, erkennt rasch, wie gut sie gemacht ist. Das Zusammenspiel der Saxofone erscheint wie aus einem Guss: Wenn sie in gemeinsamer Improvisation einander umgarnen, lässt oft nur ein Blick auf Gesichter und Hände der Ausführenden deutlich werden, wer welchen Ton oder welche Tonfolge erzeugt.

Zu dieser Gleichgestimmtheit trägt bei, dass Schmid gerne in die hohen, die Alt-Lagen seines Tenorsaxofons hineingeht; nicht schroff, sondern so nobel wie einst Warne Marsh. Der war ein Idol des Cool Jazz der Fünfzigerjahre, wie auch Paul Desmond, an den das Altsaxofon von Huhn bisweilen erinnert.

Wobei Kühle im Jazz nicht Gefühlskälte bedeuten muss. Bei Schmid und Huhn ist viel Sentiment im Spiel, sanft und zärtlich; von „Innigkeit“ spricht der Altsaxofonist einmal in einer Ansage. Er meint ein bestimmtes Stück, aber eigentlich gilt es für alle. Da stören selbst die Spalttöne der Avantgarde nicht, die er gelegentlich behutsam einstreut.

Von gestern ist die Gruppe, bei allen Anklängen an Vergangenes, nicht. Dafür stehen zum Beispiel die komplexen Arrangements ihrer selbst komponierten Stücke, die sich der herkömmlichen Monotonie von Thema-Soli-Themenreprise eigenwillig verweigern. Und ebenso die Freiheiten, die sich Stefan Schönegg am Kontrabass und Fabian Arends am Schlagzeug herausnehmen: Oft kommentieren sie die Beiträge der Bläser, so dass ein Saxofon-Solo zur Kollektiv-Improvisation wird.