Kultur

Pop Georg Ringsgwandl und Band spielen im Capitol

Mit wilder Zärtlichkeit

Es kling weniger, als würde Georg Ringsgwandl dieses Lied spielen, sondern vielmehr, als würde er es sanft aus dem Schlummer wecken. „Nur ein paar alte Sachen“ hat er das Stück genannt, das der bayerische Liedermacher und Kabarettist zu Beginn seines Konzertes im Mannheimer Capitol behutsam singt und auf der Zither zupft. Auch seine drei Mitmusiker schütteln die Töne der Coverversion eines Hazel-Dickens-Countrysongs in hauchzarter Manier aus den Instrumenten. Das wird ein sehr schöner, sehr ruhiger, altersgemäß milder Abend, könnte da meinen, wer den Ringsgwandl Schorsch nicht kennt oder den einen Moment schalkhaften Blitzens in seinen Augen verpasst, kurz bevor sich der 71-Jährige beim Applaus erhebt. Und schon läutet ein markant federndes Rock-Riff den nächsten Song namens „Tage, Metal“ ein.

Auch alte Lieder präsentiert

„Wuide unterwegs“ (also: „Wilde unterwegs“) hat Ringsgwandl sein vor sehr gut besuchtem Haus präsentiertes Programm betitelt, das sein aktuelles Album „Andacht & Radau“ in den Mittelpunkt stellt. Darauf hat der Musikkabarettist Lieder versammelt, die er mitunter zwar jahrzehntelang live gespielt hat, die es aber bislang nicht auf seine Tonträger geschafft hatten. Für die Rückübersetzung ins Live-Format sind Schlagzeuger Tommy Baldu, Bassist Christian Diener und Gitarrist Christoph Bernewitz mit verantwortlich, die Ringsgwandls Songs in Blues-Rock ‘n’ Roll und Funk und viele glänzend gespielte stilistische Zwischentöne gießen: „Reiß de Hüttn weg!“ etwa, „Digitales Proletariat“ oder „Wos is mit de Leit los?“, dazu kommen ältere Stücke wie wie „Vroni“, „Armes, kleines Unterhoserl“ oder „Die Spargelkönigin“. Essentieller Bestandteil des Abends sind zudem die wunderbar verstiegenen Geschichten, die Ringsgwandl erzählt – etwa über die beim Urologenbesuch in Gamisch begonnene Freundschaft mit dem seligen Mötorhead-Frontmann Lemmy Kilmister, den er mit seinem Zitherspiel bei den gemeinsamen Berg-Wochenenden zu Tränen gerührt habe. Die Konzertklammer setzt das ruhige „Tage, Metal“-Schwesterstück „Tage, Vintage“. Ob leise oder laut, ob krachend oder zart: der Ringsgwandl kann’s.

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