Kultur

Musikkabarett Schöne Mannheims im Capitol

Mit Witz und Stimme gepunktet

Es verschlägt einem die Sprache: Allen Ernstes ein Kaffeeservice bekamen die deutschen Fußball-Frauen als Anerkennung spendiert, als sie 1989 die Europameisterschaft gewannen. Das ist eine von vielen gruseligen historischen Anekdoten, die den „Fakten-Check“ der Musikkabarett-Gruppe Schöne Mannheims durchlaufen. „Jetzt erst – Recht!? Schöne Mannheims laden ein …“ lautet der Titel des Abends vor vollem Haus im Mannheimer Capitol, den die Sängerinnen Anna Krämer, Susanne Back und Smaida Platais sowie Stefanie Titus am Flügel dem Thema 100 Jahre Frauenwahlrecht (in Deutschland) gewidmet haben.

Hohe Stimmkunst

Natürlich bringen sie dabei auch ihre wunderbaren Stimmen zu Gehör, sei es, um Navigationssysteme in launiger Horst-Schlämmer-Manier und auf „Monnemerisch“ erklingen zu lassen. Oder um versagendes Deo in hitzigen Situationen zu besingen und in eine hochtourige Darbietung von „I’m So Excited“ von den Pointer Sisters zu überführen. Ihre hohe Musikalität und Stimmkunst belegen die Sängerinnen eindrucksvoll, als sie in die Rolle der Drei Tenöre schlüpfen. Titus ist hierbei wie gewohnt nicht nur für versiertes Tastenspiel, sondern auch für die trockenen, zielsicheren Kommentar-Einwürfe von der Seitenlinie verantwortlich. „Frauen verdienen nicht weniger“, sagt sie lakonisch. „Sie bekommen weniger.“

Wie der Titel korrekt erahnen lässt, haben die Schönen Mannheims Gäste eingeladen. Die erste ist Rosemie Warth, Heidelbergerin mit Wurzeln im Oberschwäbischen, Clownin, Humoristin und Universaltalent, die mit schlichtweg umwerfender künstlerischer Urgewalt singt und rappt, tanzt und Alphorn bläst, das Publikum zu Umarmungen und stürmischem Beifall hinreißt. Ebenfalls mit dabei ist das schwäbische Duo Dui do on de Sell, alias Petra Binder und Doris Reichenauer. Die Komikerinnen lassen sich amüsant, munter und mit Biss über das Älterwerden, Wechseljahre und das schwere Los mit Partnern im Ruhestand aus. Kräftiger, im Stehen gespendeter Applaus beschließt das rund zweieinhalbstündige Programm. mav

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/kultur

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