Kultur

Enjoy Jazz Mit Thomas Meinecke das Hören lernen

Mitpfeifen verboten

Archivartikel

Hier sind, in einem Tagungsraum des Europäischen Hofs in Heidelberg, doch eher Kenner unter sich. Das ist nicht völlig frei von Statusdenken: „Jazz ist etwas Besseres“, sagt Thomas Meinecke und lässt nicht unerwähnt, dass einst in einem großen Schallplattengeschäft in München eine Wandtafel verfügte, dass beim Jazzhören nicht mitgepfiffen werden durfte. Meinecke, den es in jungen Jahren in die hiesige Region verschlagen hat, ist Autor, Journalist, DJ und Musiker. Ein Mann, der über alles reden kann, und das auch noch mit angenehmer Mikrofonstimme. Der richtige Gesprächspartner für Festivalchef Rainer Kern in dessen Reihe „Learn To Enjoy Jazz“, kurz vor Beginn der diesjährigen Festspiel-Ausgabe.

Klassiker neben Unbekanntem

Und Meinecke legt dazu ein paar schöne Platten auf, wie jene von Ben LaMar Gay, einem Trompeter aus Chicago: Louis Armstrong, Django Reinhardt und Gilberto Gil versammeln sich zum Tanztee, Free Jazz, Bürgerrechtsmusik und Hip-Hop schauen ebenfalls vorbei. Das kennt nicht einmal jeder Kenner. Außerdem geht es um Acid (oder Dancefloor) Jazz und seine Folgen, ehe Meinecke und Kern die Heimkehr zu den Klassikern betreiben: zu Charles Mingus und Duke Ellington. John Coltranes Kultplatte „A Love Supreme“ wird ausgiebig gewürdigt, in der seltener zu hörenden Version mit Archie Shepp, der scharf und gurgelnd klingt, im Gegensatz zum hymnischen Verströmen Coltranes.

Doch aus solchen kennerhaften Anwandlungen reißt uns femininer Publikumsprotest: Wo bleiben hier die Frauen? Thomas Meinecke gibt sich zerknirscht und legt am Ende Annette Peacock auf, mit faszinierend progressivem Synthesizer-Rock von 1972. Der Protest war also lohnend. HGF

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