Kultur

Jazz in der Aula „Cajun Roosters“ gastierten im Laudaer Pfarrkeller

Mitreißend und fetzig

Archivartikel

Ausgiebig gefeiert für eine fulminante, mitreißend fetzige und herrlich urwüchsig-bodenständige Vorstellung im erfreulich voll besetzten Pfarrkeller wurden die fünf „Cajun Roosters“, die das diesjährige „Sommerkonzert“ der Reihe „Jazz in der Aula“ verpflichtet worden waren.

Der Sound der „Cajun“-Musik der seit dem 18. Jahrhundert dort ansässigen franko-amerikanischen Einwanderer im Süden Louisianas ist – gewiss nicht zu ihrem Schaden – mittlerweile zum festen Bestandteil im Aula-Programm geworden.

Freilich gibt es auch auf diesem Feld nur wenige Bands, von denen die Musik der „Acadiens“ so authentisch und leidenschaftlich rübergebracht wird wie von den „Cajun Roosters“, die – vor 20 Jahren ironischerweise als „rein“ deutsche Band gegründet, inzwischen in internationaler Besetzung – sich zu einer der ersten, mehrfach preisgekrönten Adressen des Genres emporgespielt haben.

Prägend für den typischen „Cajun“-Sound, so stark und feurig gewürzt wie ein deftiges Louisiana- „Gumbo“, sind dabei vor allem der fabelhaft energetische Akkordeonist, Washboarder und Sänger Chris Hall, ein kauziger Weißbart voll jugendlichem Elan und sein belgischer Kollege, der nicht weniger phänomenale „Fiddler“ David Buyle, die sich in einigen Nummern virtuos-elektrisierende Duelle von geradezu hypnotischer Intensität lieferten.

Mit „hypnotisch“ lässt sich wohl auch am besten die Wirkung des originären Cajun-Sounds (und seiner mehr afroamerikanisch beeinflussten, „Zydeco“ genannten Version) beschreiben, seinem meist monoton stampfenden („stomp“) Rhythmus, für den die kompakte, unwiderstehlich groovende Rhythmusgruppe mit Schlagzeuger Ben Topley (als Ersatz für den ursprünglich angekündigten Antoine Fève), Bassist und Gründungsmitglied Michael Bentele und last but not least der jungen Rhythmusgitarristin (und Sängerin) Hazel Scott sorgten.

Und seltsam hypnotisch und schwermütig klangen auch die unisono Gesangsduette von Hazel Scott (mit ihrer hellen, melancholischen Stimme von unvergleichlicher Eigenart) und Chris Hall, ein ostinater Singsang über gerade mal drei oder vier Töne – archaische Delta-Folklore pur. Da war es dann auch zum Blues nicht weit, den dieses Quintett nicht weniger überzeugend drauf hat, beispielsweise in ihrer Version von „Please don’t go“ oder der von Latin beeinflussten Nummer „Double shot“, die ein wenig an Santanas „Black magic woman“ erinnert.

Als weitere Ergänzung gab es noch solch tanzbare Zydeco-Hits wie „My toot toot“, etwas Country und natürlich auch Rock’n’Roll in Form von Chuck Berrys „Brown eyed handsome man“, dem als tolles Sahnehäubchen später noch „You never can tell“ folgte.

Auch wenn sich nur wenige zum Tanzen bewegen ließen: Tolle Stimmung im Pfarrkeller (trotz oder gerade wegen der dieses Mal moderaten Lautstärke), so dass sich die „Cajun Roosters“ zu drei Zugaben bewegen ließen, bis sie sich schließlich mit Van Morrisons „Precious time“ verabschiedeten.

Zunächst einmal bodenständige Cajun-Stücke mit paukendem Rhythmus, geradem oder auch mal ungeradem Takt, und ihren virtuos dahindudelnden, teils fröhlichen, teils wehmütigen Weisen mit dem typischen, eigentümlich hypnotisierenden Geige-Akkordeon-Sound, aus denen man immer noch die keltischen Ursprünge heraushört.