Kultur

Afrikatage Sänger Zayan gastiert im Heidelberger Karlstorbahnhof

Mitreißende Lieder aus Südafrika

„Wenn sich afrikanische Künstler zu den Afrikatagen in Heidelberg und Mannheim einfinden, ist es wie ein Familientreffen“ – was Ursula Hummel, die engagierte Mitarbeiterin, die das Publikum im Heidelberger Karlstorbahnhof durch den Konzertabend führt, so beiläufig erzählt, beweist sich schon an der Abendkasse. Fast jeder Zuhörer wird persönlich begrüßt und auch Zayan, der südafrikanische Sänger aus dem Township Ratanda bei Heidelberg in der Nähe von Johannesburg, herzt sie, als wäre sie eine enge Verwandte.

Die Texte seiner in Zulu und Sesotho gesungenen Songs handeln meist von Liebe und seiner Verbundenheit zu Afrika, dem überwältigenden Kontinent, von dem derzeit so viele Hilfesuchende zu uns kommen. Zusammen mit Ice Mashynane, seinem Keyboarder und Produzenten, präsentiert Zayan eine Mischung aus Balladen und tanzbaren Afro-Pop-Songs, die er fast alle selbst geschrieben hat. Auffallend ist die Intensität seiner angenehmen Stimme, die besonders bei Klageliedern seine Emotionen noch verstärkt.

Zaghafte Rhythmusgruppe

Doch wenn Zayan und sein Keyboarder Mashynane auch als eingespieltes Duo wirken, so erscheinen ihre Kollegen an der Rhythmusgitarre, an Drums und Bass leider etwas farblos. Von einer Band, die afrikanische Popmusik spielt, erwartet man eher eine kraftvollere und selbstsicherere Begleitarbeit. Das aus Heidelberger Studenten bestehende Begleittrio agiert jedoch etwas zu zaghaft. Bei Songs wie „Africa Aye“, „Egoly“ oder einem im Reggae-Stil komponierten Tanz fehlt daher etwas die rhythmische Energie. Zayans Songs sind absolut mitreißend und verlangen nach einer Rhythmusgruppe, wie er sie vermutlich bei Konzerten in Südafrika bekommt. Dass man aus finanziellen Gründen jedoch nicht Zayans vollständige Band einfliegen konnte, ist freilich ebenso verständlich.

Klagender Gesang

Auch Ursula Hummel wird für einen Song auf die Bühne gebeten. Vor einem instrumental gespielten Hintergrund trägt Hummel einen Text vor, der die Gefahren und Hoffnungen vieler Flüchtlinge beschreibt, während Zayan jeweils den Refrain zwischen den Texten zu diesem Klagelied intoniert.

Ein weiteres Lied ist ein Klassiker in Südafrika, der, wie könnte es anders sein, dem Vater der heutigen Republik, Nelson Mandela, gewidmet ist. Es sind diese Songs, die die Zuhörer bewegen. Doch afrikanische Musik wäre nicht authentisch, wenn sie nicht auch der ausgelassenen Fröhlichkeit Ausdruck verleihen würde. Zayan präsentiert dieses breite Spektrum in seiner Musik bestens.

Am 16. Juni findet am Heidelberger Tankturm noch ein weiteres Konzert mit Zayan und Mashynane statt. Freunde südafrikanischer Musik sollten sich das Konzert nicht entgehen lassen.