Kultur

Klassik Nikolaus Friedrich und Eliot Quartett beim Mozartfest

Mittendrin im Atomkern

Archivartikel

Ständig in Bewegung ist die Welt des Kleinsten und längst wissen wir, dass Atome aus Teilchen bestehen, die wiederum aus Teilchen zusammengesetzt sind, und so weiter und so weiter. Der Komponist Oliver Schneller ließ sich von diesem Faszinosum zu seiner Komposition „Hadron“ inspirieren, die beim Schwetzinger Mozartfest vom (Bassett-)Klarinettisten Nikolaus Friedrich gemeinsam mit dem jungen, doch etablierten „Eliot“ Streichquartett aus der Taufe gehoben wurde.

Oliver Schneller, Jahrgang 1966, verzichtet in seinem zehnminütigen Werk auf exzentrische Spieltechniken und setzt auf gediegenes Handwerk, wenn er den Teilchen klanglich nachspürt, die sich treffen, sich abstoßen, zerfallen und zu neuer Form wieder zusammenfinden. Der Pizzicato-Auftakt mit einer fröhlich schwadronierenden Klarinette imaginiert anfangs fast tänzerischen Duktus, ehe der Klang aufgefächert wird. Doch der Kreis schließt sich wieder, auch wenn die wirklichen „Hadronen“ teilweise in Strahlung verschwinden. Insgesamt ein gut anhörbares, in sich stimmiges Stück, das seinen unmittelbaren Weg ins Publikum fand.

Individuelle Ausdrücke

Umrahmt wurde „Hadron“ von Haydn und Mozart. Beim Haydn-Streichquartett Nr. 32 (C-Dur) gefiel gleich das helle, transparente Klangbild mit der genauen Nachzeichnung der Stimmverläufe. Maryana Osipova und Alexander Sachs (Violinen), Dmitry Hahalin (Viola) und Michael Preuss (Violoncello) setzten auf individuellen Ausdruck bei maßvollen Tempi in den Ecksätzen, wobei auch die schrofferen Einschübe etwa im zweiten Satz als kontrastierende Elemente in unmittelbarer Wirkung aufgestellt wurden.

Das Streichquartett in d-Moll von Mozart (KV 421) berührte im Spiel des Eliot-Quartetts transzendente Bereiche, wenn über subtile Zuspitzung ein melancholischer Zauber diese wunderbare Musik durchzog. Das Publikum dieser Matinee war gebührend beeindruckt und wurde mit einem Mozart-Quintettsatz in der Bearbeitung für Klarinette und Streichquartett belohnt. Nikolaus Friedrich war natürlich dabei.

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