Kultur

Jazz Letzter Musiksalon im Café des Nationaltheaters

Mitternacht um acht

Schwere Wolken verhüllen Mannheims Himmel und drücken auf die Stimmung. Das Wetter passt also zum letzen Jazz-Musiksalon im Theatercafé des Nationaltheaters unter Leitung von Thomas Siffling, der als nächtliche Radiosendung, „A Midnight Radio Transmission“, für abends um acht angekündigt wurde.

Umso verheißungsvoller klingt das, weiß man, dass die Altistin und die für ihr, so das Programmheft, „Brecht’sches Punk Cabaret“ bekannte Rebecca Raffell durch den Abend führt. Leider fiel Raffell krankheitsbedingt aus, doch der Spontaneität des Radios sei Dank, so möchte man sagen, sprang der eigentlich als Gitarrist eingeplante Jörg Teichert als Sänger ein, der wiederum von Simon Seeleuther vertreten wurde.

Ziemlich viel Trubel also für eine nächtliche, ruhige Musiksendung, der sich auch in einer neuen Programmgestaltung niederschlug.

Weniger Punk gibt es da, dafür noch einen Brecht. Den „Alabama-Song“ aus „Mahagonny“ interpretieren die vier Musiker jedoch als Meta-Brecht, in dem mit Bengio und in radiofreundlicher Variation gerade in der für diesen Abend zentralen Mäßigung die Verschwendungssucht Mahagonnys thematisiert wird.

Dass Teicherts tiefe Stimme wenig ausgebildet klingt, wird ihm da nicht zum Nachteil, denn mit viel Authentizität führt er changierend zwischen bebender Melancholie und leicht vibrierender Euphorie durch den Abend.

Rock, Country und Blues

Mit allerlei weiterer Musik zwischen Rock, Country und Blues, Bob Dylan, Nirvana und den punkigen Chansoniers „The Tiger Lillies“ gibt es bei diesem Jazz-Konzert zwar keinen Jazz, dafür umso mehr Musik, die mit wunderbar mitternächtlicher Sanftheit versehen ihre Beschwingtheit nicht außer Acht lässt. Dafür sorgen neben Teichert am Mikrofon und der Gitarre sowie Gitarrist Seeleuther noch Matthias Debus am harmonisch hüpfenden Kontrabass und Christian Huber am galoppierend-melodischen Schlagzeug.

Das Publikum bedankt sich für diese frühe Late-Night-Show, bei der niemand schlafen möchte, mit langem Applaus.