Kultur

Moderne Brahms-Terzen

Archivartikel

Ein Abenteuer. Jörg Widmann, der viel beschäftigte Komponistenklarinettist schreibt für den viel beschäftigten Klassikpianisten András Schiff fünf Intermezzi zum Thema Brahms – umrundet von den beiden Sonaten Es-Dur und f-Moll vom Meister der Spätromantik. Die beiden späten Sonaten (op. 120/1+2) sind hier an Klarheit, Stringenz und Logik wohl kaum zu übertreffen, und da das Label ECM und der Produzent Manfred Eicher heißt, ist das ganze clean und perfekt produziert. Steril wird es deswegen aber noch nicht, hat aber mitunter eine Neigung in diese Richtung, was freilich durch Brahms’ schon recht modernem Umgang mit der Melodik unterstrichen wird. Aber höchstinteressant ist, wie es Widmann in seinen fünf Stücken gelingt, Brahms’sche Melodik und Terzenseligkeit im Kosmos moderner Musik aufblitzen zu lassen, ohne dass eines von beidem leidet. Das ist faszinierende Interpretationskunst von beiden. 

Klarinettensonaten und Intermezzi. András Schiff, Jörg Widmann. ECM

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