Kultur

Altes Schauspielhaus Stuttgart Shakespeares Komödie „Wie es Euch gefällt“ von Carl Philip von Maldeghem inszeniert

Moderne Neufassung überzeugt nicht immer

Seit zehn Jahren ist er Intendant des Salzburger Landestheaters, zuvor war er sieben Jahre lang in gleicher Funktion an den Schauspielbühnen in Stuttgart tätig. Jetzt kehrte der inzwischen 50-jährige Carl Philip von Maldeghem an seine frühere Wirkungsstätte zurück und inszenierte Shakespeares „Wie es euch gefällt“.

Doch er kam nicht nur als Regisseur, sondern er brachte auch noch eine Neufassung der vermutlich um 1599 entstandenen Komödie „As you like it“ mit, die jetzt im Alten Schauspielhaus in Stuttgart erstaufgeführt wurde. Dabei reüssierte er in beiden Fällen nicht gerade. Der in Versen und Prosa geschriebene Fünfakter ist mit seiner verhältnismäßig dürftigen Fabel, die auf Thomas Lodges Schäferroman „Rosalinde“ fußt, dessen Quelle wiederum ein Versroman aus der Mitte das 14. Jahrhunderts ist, nicht gerade eines der spannendsten Dramen des englischen Klassikers. In erster Linie lebt die Geschichte von den Seelenzuständen der handelnden Personen und lediglich zwei scheinbare Nebenrollen, der die Welt ironisierende Clown Touchstone, der in der Übersetzung von August Wilhelm Schlegel als Narr ausgewiesen wird und Probstein heißt, in Stuttgart aber unter seinem ursprünglichen Namen und unter der alten Berufsbezeichnung auftritt, und der Witz und Melancholie in sich vereinende Lord Jaques, der jetzt als melancholischer Gentleman charakterisiert wird, verhindern durch die skeptischen Akzente, die sie setzen, dass die romantische Handlung von vornherein in wirklichkeitsferne Gefühlsseligkeit abgleitet. Aufgabe eines Regisseurs muss es deshalb sein, die von Shakespeare verteilten Gewichte zwischen Sein und Sein nicht zugunsten der einen und auf Kosten der anderen Seite zu sehr zu verschieben und damit nicht dem An- und Ausspruch „Die ganze Welt ist Bühne und alle Männer und Frauen Schauspieler“ gerecht zu werden. Diese Balance zu halten, gelingt aber dem Regisseur Carl Philip von Maldeghem nicht unbedingt.

Und auch seine mit Kalauern durchsetzte, modernistische, originalitätssüchtige Neufassung ist nicht dazu angetan, Shakespeares Intentionen näher zu kommen. In diesem Zusammenhang muss auch der pseudo-schwäbische, dem Schäferpaar zugedachte Dialekt genannt werden, der wohl auf die vermeintliche Publikumsgunst abzielt.

Weil die Bühne offensichtlich zu klein ist oder die Rampe als Trennung zwischen dem Publikum und den Akteuren negiert werden soll, treten einige von ihnen immer wieder aus dem Zuschauerraum auf. Von denen, die auftreten, überzeugt vor allem Cornelia Gröschel als liebenswerte Rosalind und verkleidet als burschikoser Ganymed. Der zu ihr in jeder Beziehung passende Orlando, dem man seine Liebe zu ihr, wie den jugendlichen Liebhaber abnimmt, ist Daniel Tille. Doch auch Marthe Lola Deutschmann gefällt als eher forsche Celia und dann als überflüssigerweise das Gesicht verschmierte Aliena. Die Rollen das alten Herzogs Ferdinand und des „gewaltsam regierenden“ Herzogs Frederik sind Armin Jung anvertraut, der die zwei Charaktere aufgesetzt differenziert. Claudia Carus als Touchstone ist zur Rock-Röhre verdammt. Andreas Klaue als Jaques spielt einmal den Tanzbär und dann mit nacktem Oberkörper und in Lederhose den vermeintlichen Philosophen. Etwas naiv-dümmlich agieren Daniel Kozian und Antonia Leichtle als Schäferpaar. Gunnar Blume gibt Orlandos älteren Bruder Oliver. Dieter Schnabel