Kultur

Schauspiel Theater an der Weinstraße zeigt sich tapfer

Molière-Stück im Starkregen

Das Ensemble vom Theater an der Weinstraße ist hart im nehmen. Genau mit Beginn der Premiere von „Der eingebildet(e) Kranke“ setzte in der Klosterruine Limburg heftiger Regen ein. Das Spiel auf der nassen Bühne war gefährlich, denn die Inszenierung des Molière-Stückes von Hans Dreyer und Simone Allbach verlangt intensive Bewegung.

Kein Wunder, dass bei solchen Bedingungen das Spiel schwer in Gang kam. Doch als Emanuel Leonhardt in der Hauptrolle des Argan in seinem Text mit dem Regen improvisierte, wirkte das auf und vor der Bühne wie ein Befreiungsakt. Nach knapp zweieinhalb Stunden wurde das 13-köpfige Ensemble für die schauspielerische Leistung und sein Durchhaltevermögen mit kräftigem Applaus belohnt.

Den Molière’schen Mann – der in eingebildete Krankheiten flüchtet und jede Eigenverantwortung in die Hände einer inkompetenten Ärzteschaft begibt – zeitgemäß zu verankern, war ein Ziel des Regie-Duos. Dreyer und Allbach machen aus dem Hypochonder einen Menschen, der sich einer permanenten, übermächtigen Überforderung ausgesetzt sieht, und meinen damit – ohne sie konkret zu benennen – die digitale Welt. Die Überforderung verdeutlichen sie in einem von überdimensionalem Mobiliar bestimmten Bühnenbild (Thomas Giel). Der Vorteil von Bett, Tisch und Stuhl in riesenhaften Ausmaßen: Dadurch entstehen vier Spielebenen, die richtig viel Bewegung ermöglichen – eine große Stärke der Inszenierung.

Leonhardt trägt den Abend

Eine andere sind die Kostüme (Silke Schmidt), die – bis auf wenige Ausnahmen – fern jeden Molière’schen Barocks die Charaktere zeichnen: Die Ärzte als kriecherische Käfer; Dienstmädchen Toinette – durchaus sinnvoll verteilt auf zwei Rollen (präsent: Esther und Laura Dreyer) – in Selbstbewusstsein ausstrahlenden Nicky-Anzügen mit Mini-Schürzen; Liebhaber Cléante (überzeugend: Levin Steinbach) als eine Mischung aus Robin Hood und Amor.

Emanuel Leonhardt trägt die Inszenierung: Er schwankt als Argan zwischen Weinerlichkeit, Zornausbrüchen und Selbstmitleid. Mit Spielwahrhaftigkeit beeindrucken Simone Allbach als seine Tochter Angelique und Naomi Hutomo als deren Schwester Louise. Der Rest des Ensembles darf im Sinne der Comedia dell’arte übertreiben.