Kultur

Kunst Heidelbergs südfranzösische Partnerstadt wagt ein umstrittenes Konzept / Kritiker kritisieren es als Unterstützung von Superreichen

Montpellier richtet Museum für Privatsammler ein

Archivartikel

In Zeiten knapper finanzieller Mittel zeigen Museen immer häufiger die Kunstschätze privater Sammler. Eine umstrittene Tendenz. Aus der Kunst- und Kulturwelt wird mittlerweile die Frage laut: Machen öffentliche Museen Gratis-Werbung für private Sammler? Heidelbergs französische Partnerstadt Montpellier hat ein Museum eröffnet, das Privatsammlungen weit die Türen öffnet.

Das Hôtel des Collections, das Hotel der Sammlungen, ist in einem über 3000 Quadratmeter großen Patrizierhaus. Das Gebäude aus dem 18. Jahrhundert wurde für rund 20 Millionen Euro umgebaut. Sein Konzept: Sammlungen von privaten Kunstliebhabern, Unternehmen, Künstlern und auch öffentlichen Einrichtungen zu zeigen, die vorzugsweise erstmals zu sehen sind.

Unternehmer stellt aus

Eröffnet wurde der neue Kunsttempel mit der Sammlung des japanischen Unternehmers Yasuharu Ishikawa. Unter dem Titel „Distance intime“ werden noch bis zum 29. September Arbeiten von Größen wie On Kawara, Pierre Huyghe, Félix González-Torres, Simon Fujiwara, Danh Võ, Gerhard Richter und Marcel Broodthaers gezeigt.

Museen greifen immer häufiger auf die Kunstschätze von Privatpersonen zurück. Viele Budgets schrumpfen, während die Preise auf dem Kunstmarkt anziehen und die Versicherungen der Werke dementsprechend steigen. Auch deutsche Feuilletons diskutieren das Thema, wenn private Kunstsammlungen mehr besitzen als Museen.

Für viele Museen scheint die umstrittene Kooperation mit Privatsammlern aber zu einer nicht zu umgehenden Realität geworden zu sein. Das Wiener Leopold Museum bespielte 2018 seine Säle unter dem Titel „WOW! The Heidi Horten Collection“ mit Werken der Milliardärin Heidi Goëss-Horten.

Die französische Tageszeitung „Libération“ warf in einem Interview mit Nicolas Bourriaud, dem Leiter des neuen Museums in Montpellier, die Frage auf, ob sein Museum nicht jenen diene, die es nicht nötig haben? Die Antwort des ehemaligen Co-Direktors der Pariser Kunsthalle Palais de Tokyo:: Das Haus sei keine Ode an den Kunstmarkt. Ihn interessiere die museale Dimension dieser Sammlungen, sagte Bourriaud. Seiner Einschätzung nach seien 90 Prozent der Sammlungen weltweit nicht „sichtbar“.

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