Kultur

Künzelsauer Burgfestspiele Delikates Krimi-Dinner serviert

"Mord à la carte"

1989 ins Leben gerufen, anlässlich der 500-jährigen Wiederkehr der sogenannten Tierbergen Fehde zwischen dem damaligen Grafen von Hohenlohe und den Reichsrittern von Stetten, nehmen die Künzelsauer Burgfestspiele Schloss Stetten einen vornehmen Platz im Reigen der Freilichttheater im fränkischen Raum ein. Dabei lenkten nicht nur Uraufführungen historischer Schauspiele aus der Region, sondern auch die Vorstellungen anderer Dramen und Operetten-Gastspiele aus Ungarn den Blick auf dieses ambitionierte Sommertheater. Nachdem in diesem Jahr keine Eigenproduktion auf dem Programm stand, warten jetzt die Verantwortlichen im Herbst mit Vorstellungen besonderer Art in der Brunnenhalle auf.

"Bar jeder Vernunft"

Die Künzelsauer Burgfestspiele Schloss Stetten servieren, diesmal nicht im Freien, ein Krimi-Dinner. Die 1960 im saarländischen Lebach geborene, in Kaiserslautern wohnende Schauspielerin Madeleine Giese, die nach Engagements an verschiedenen Theatern seit 2002 freiberuflich als Hörspiel-, Bühnen- und Romanautorin arbeitet, hat unter dem Titel "Mord à la carte" auch verschiedene Kriminalstücke geschrieben. Eines davon, mit dem Titel "Bar jeder Vernunft", ist jetzt in Schloss Stetten zu sehen. Wie schon die Titel andeuten, handelt es sich dabei um eine besondere Art von Theater.

Die Besucher sitzen in diesem Fall nicht in Reihen, sondern an Tischen vor der Bühne, auf der die Schauspieler agieren. Denn sie genießen nicht nur die Aufführung eines Theaterstücks, sondern auch ein Dinner. In Schloss Stetten ist das ein Menue mit Vor- und Nachspeise und einem Hauptgericht, das dem Ort geschuldet, Hohenloher Hirsch, mit Spätzle, Birne, Preiselbeeren und Salat ist. Doch nicht nur die von der hauseigenen Küche zubereiteten Speisen sind delikat, auch die Theateraufführung, bei der die Besucher den Mörder ausfindig machen sollen, ist sehenswert.

Die "Bar jeder Vernunft", die von Lola Schulz (Laura Gebhardt) betrieben wird, die auch als Moderatorin der Geschichte fungiert, ist die Stammkneipe der Beamten des nahe gelegenen Finanzamts.

Dort passiert ein Mord, dessen Opfer Katja Schwarz (Melanie Jovic), die kommissarische Stellvertreterin des Amtsvorstands wird, die von Stuttgart abgeordnet ist, um in der Provinz Ordnung zu schaffen und sich dabei nur Feinde macht.

Und so könnte denn im Grund jeder der Täter sein, nur nicht der Gärtner - denn einen solchen gibt es nicht: Die Wirtin, der eine Betriebsprüfung ins Haus steht, Wolfgang Kipilla (Mario Retzbach), der seine Hoffnung, stellvertretender Amtsleiter zu werden, immer mehr schwinden sieht, Bernhard Garnreiter (Hermann Kappes), der seinem Chef untertänig zu Diensten ist, Andrea Tischner (Annika Noz), die ihre Liebe zu der Neuen nicht erwidert bekommt, Karl-Robert Riedlinger (Kurt Hinz), der seine Ruhe liebende Amtsvorsteher oder Edith Marschner (Vanessa Buhn), die nur Augen für ihn hat.

Mancher Kalauer

Die mit flotten Sprüchen und manchem Kalauer - "Wenn Frauen verblühen, dann verduften Männer", "Alkohol ist keine Antwort, aber man vergisst die Frage", "Sie verwenden ihren Kopf nur, um die Ohren auseinanderzuhalten", "Regelmäßiges Versagen ist auch eine Form der Zuverlässigkeit" - gewürzte Geschichte wurde von Wolfgang Utner in Szene gesetzt, der die Darsteller, die Charlotte Carle passend kostümiert hatte, an langer Leine führte, was zumindest in einem Fall, zu sehr "locker vom Hocker", nicht von Vorteil war.

Nicht zu vergessen sind aber auch die "Stetten Oldies", die mit dem "Kriminal-Tango" und anderen passenden Weisen musikalisch durchs Programm führten und das gelungene Krimi-Dinner abrundeten. Fazit: "Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett" - und nicht nur sie! Dieter Schnabel