Kultur

Stückemarkt II Landestheater Marburg präsentiert Skurriles

Museumsführung durch ein Niemandsland

Archivartikel

Was für ein verrücktes Stück. Schon der sperrige Titel, den Miroslava Svolikova ihm verpasst hat, führt ins Grübeln: „Diese Mauer fasst sich selbst zusammen und der Stern hat gesprochen, der Stern hat auch was gesagt“. Aber dann wird es beim Stückemarkt im Zwinger wirklich lustig, weil das Hessische Landestheater Marburg ein Sechspersonenstück total gaga präsentiert. Und das Skurrile, Absurde, Dadaistische zündet zum perfekten Vergnügen.

Ein Stern, der spricht

Worum es geht? Eigentlich ums Nichts. Zwar wähnen sich drei junge Leute (Zenzi Huber, Anna Rausch, Philip Heimke) jeweils als Gewinner einer Ausschreibung und wollen voller Elan einer „Onion“ dienen und diese vorwärts bringen. Enthusiastisch. Dann irritiert. Sie sind in einen klinisch weißen Raum gerufen. Käfig oder Verhaltenslabor? Endlich tut sich was. Eine Museumsführerin, sich selbst als Hologramm bezeichnend, führt sie durchs Nichts. Anke Stedingk macht das mit überbordender und manipulativer Präsenz, und die Drei sind sich einig, noch nie eine so gute Museumsführung miterlebt zu haben. Dann taucht ein Stern auf, verwandt mit jenem von Bethlehem und erzählt ebenfalls dummes Zeug, durchbricht die Styropormauer. Metin Turan gibt ihm suggestiv-sanfte Töne. Schließlich die Putzfrau, Saskia Boden-Dilling wischt die Böden und wirbelt kräftig, derweil sie seltsame Zettel findet.

Präsentiert wird der Nonsens mit Spielfreude, Slapsticks, Pantomime, frohem Geplapper und raffinierter Nutzung der nicht vorhandenen Museumsstücke. Im Niemandsland werden die roten Fäden gesucht, die das fröhliche Textgebirge ordnen könnten, und manches mag sogar ein wenig an Orwell erinnern. Aber das Bedrohliche löst sich immer auf im Heiteren, auch Klamauk. Und am Ende werden die Gewinner der Ausschreibung vergeblich auf die Lösung des Verwirrspiels warten. Doch hat ihnen allen das verrückte Szenario so viel Spaß gemacht wie dem begeisterten Publikum. BE