Kultur

Klassik Pianist Dirk Maassen spielt eigene Kompositionen

Musik als sinnlicher Rausch

Archivartikel

Der Kontrast zwischen virtueller Gunst und performativer Kunst weckt bisweilen besondere Begehrlichkeiten. Denn wer zum Konzert von Neo-Klassizist Dirk Maassen ins Mannheimer Capitol kommt, schreitet nicht allein in den reduziert gehaltenen Saal – der hauptberufliche Software-Entwickler gibt jedem einzelnen Konzertgast selbst die Hand. Und bricht damit eine Barriere, die auch seine phonetischen Brandungen an der Klaviatur mühelos hätten erodieren können. Doch genau dieses höchstpersönliche Moment ist es, das diesen Abend zu solch einem außergewöhnlichen Erlebnis gestaltet.

Denn auf der einen Seite sitzt hier ein Klangminimalist, der mit seinen Kompositionen zwischen Yann Tiersen und Ludovico Einaudi, Federico Albanese und Nils Frahm die Schwerkraft („Gravity“) aufzuheben versteht – und dabei Federn („Feather“) durch die Lüfte kreisen lässt. Doch auf der anderen Seite exponiert sich hier ein kompositorischer Purist, der einst mit Synthesizern und Drum-Computern den großen Idolen von Depeche Mode nacheiferte, um die Musik auch in Zeiten beruflicher Umorientierung nie ganz aufzugeben. In den radikal selbstoffenen Publikumsdialogen im „Wohnzimmer von Mannheim“ präsentiert sich ein Schattenkünstler, der das eigene Leben im Dialog mit seinem Instrument im Verborgenen zu verarbeiten lernte – um vom Erfolg der ersten Werke förmlich überrannt zu werden.

Harmonisches Aufbegehren

Den Weg von ersten Kellerkonzerten bis hin zur großen Tournee skizziert Maassen dabei nicht nur authentisch – die Pirouetten seiner Biografie schlagen sich auch tonal nieder. Manchmal ist das harmonische Aufbegehren dieser meerestrunkenen Poesie mehr ein organisches Wiederholen („La mer“), manchmal fast ein sinnlicher Rausch („Fjara“) – doch eines ist den Stücken allen inhärent: Sie reichen frei, elegant und wunderschön über sich selbst hinaus. Ein Meisterstück! mer

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