Kultur

Jazz im Quadrat Flo & Fauna bieten am 17. Mai Pianotrio-Klänge der besonderen Art im Mannheimer Musikclub Ella & Louis

Musik brodelt wie heiße Milch

Das Missgeschick hat jeder schon einmal erlebt: Die Milch steht auf dem Herd und kocht über. Die Mannheimer Band Flo & Fauna macht aus dem Malheur ein Musikstück: „Miss Milk“ klingt ein wenig schräg und funky – und funky heißt direkt übersetzt klebrig. Passt also. Beim nächsten Konzert von „Jazz im Quadrat – Hautnah“, der Veranstaltungsreihe dieser Zeitung, wird der Titel zu hören sein. Am Freitag, 17. Mai, um 20 Uhr, treten Flo & Fauna im Jazzclub Ella & Louis des Mannheimer Rosengartens auf.

Die zeitlose Frage von Rock-Genie Frank Zappa „Gehört Humor zur Musik?“ beantwortet das Trio mit einem klaren, eindeutigen „Ja“ – wie der witzige Name des Ensembles schon verrät. Ebenso wie seine ganz eigene Spielart von Jazz, bei der Sprach- und Naturaufnahmen – von zwitschernden Vögeln, plätschernden Bächen oder grollendem Gewitter – die Instrumentalpassagen atmosphärisch erweitern.

„Und wir spielen gerne mit Klischees“, sagt Bandchef und E-Bassist Florian Hartz im Gespräch mit dieser Zeitung. „Man kann Hörerwartungen wecken, sie erfüllen oder auch konterkarieren“, umschreibt er jenen jazztypischen Witz, der für Nicht-Jazzer mitunter nicht leicht nachvollziehbar ist. Dieser Witz kann sich etwa darin äußern, dass eine Ballade angespielt und urplötzlich im Turbotempo fortgeführt wird. Oder er zeigt sich in jähen Stopps und abrupten Stilwechseln.

Hartz zeichnet für alle Kompositionen verantwortlich. Aber mit Lukas Langguth (Piano, Tasteninstrumente) und Jakob Dinnebier (Schlagzeug, Elektronik) hat er Gleichgesinnte gefunden. Zu dritt wollen sie das alte Genre Pianotrio neu aufbereiten. Die Sache mit den Naturgeräuschen sei eine ganz bewusste musikalische, aber auch marketingmäßige Entscheidung gewesen, berichtet Hartz. „Wir haben uns überlegt: Wie können wir uns absetzen von anderen Trios?“. Und so verzieren eben in manchen Stücken zirpende Finken die Musik von Flo & Fauna. Der Name Fauna macht dabei also durchaus Sinn.

Seit dem Frühjahr 2017 sind die drei Instrumentalisten gemeinsam unterwegs. Hartz studiert E-Bass bei Dave King an der Musikhochschule Mannheim, Dinnebier absolviert dort sein Studium bei Michael Küttner, während Langguth seine Hochschulausbildung bei Rainer Böhm in Nürnberg beendet. Inspiration lieferte anfangs das britische Trio Go Go Penguin, das traditionellen Pianotrio-Konventionen durch den Einsatz von Rock-Riffs, Club-Beats und Elektronik gekonnt ein Schnippchen schlägt.

Songartige Kompositionen

Aber längst haben Flo & Fauna ihren eigenen Weg gefunden, „Rhythmus und Energie – das ist das A und O für mich“, erklärt Hartz, der die Bassgitarre genau deswegen mag: weil sie beides ermöglicht. Und noch etwas liegt Hartz am Herzen: songdienlich zu spielen. Sein Vorbild in dieser Hinsicht ist James Jamerson, Bassist der Funk Brothers, der legendären Studioband bei der Soul-Plattenfirma Motown. Jamerson spielte unter anderem mit Marvin Gaye („What’s Going On“) und den Supremes („You Can’t Hurry Love“).

Seine eigenen Kompositionen für Flo & Fauna sieht Hartz auch als Songs mit einer klar umrissenen Form und Atmosphäre. „Ich fange immer mit einer Idee und einem Bild im Kopf an, das mich umtreibt.“ Das kann eben überkochende Milch sein. Oder auch krabbelnde Ameisen, die er im Wald beobachtet hat. „Die haben mich zu einer Basslinie inspiriert“, wie er verrät. Manchmal fällt ihm auch spontan eine Melodie ein, die er dann spät nachts ins Smartphone singt, um sie am nächsten Tag auf dem Bass zu zupfen.

„Ich benutze alle Tools , die sich mir anbieten“, stellt Hartz klar. Das gilt auch für die Instrumentierung der Stücke, die Flo & Fauna bei ihren Proben testen. „Ich kann mich auf meine Mitmusiker verlassen. Ich komponiere zwar alles, aber wir sind alle drei gleichberechtigt. Dann spielen wir verschiedene Möglichkeiten durch: Klavier oder E-Piano? Schlagzeug oder Synthesizer?“ Und so darf sich das „Jazz im Quadrat“-Publikum auf vielfarbige Musik freuen, die mal jazzmäßig swingt und rockig fetzt, die schräge Dissonanzen durchläuft oder in balladeskem Wohlklang schwelgt. Und sollte einem Gast im Ella & Louis versehentlich die Kaffeetasse umfallen, ist das nicht weiter schlimm. Es könnte die Band spontan zu einem neuen Stück anregen. (Werkzeuge, Anm.)