Kultur

Schwetzinger Festspiele Soiree über Louise de Vilmorin

Musik kann die Figur betonen

Archivartikel

Es war schon die Art, wie sie den Schal trug. Wie ihr blaues Abendkleid den blauen Vorhangstoff ihres Salons zitierte. Doch Louise de Vilmorin war nicht nur gut gekleidet, sie war reizend, amüsant – und auch noch treu. Zumindest ihren Liebhabern. Diese Salonlöwin, eine George Sand des 20. Jahrhunderts, wurde außerdem zur Star-Autorin. „Madame de …“ etwa, einer recht unwahrscheinlichen Geschichte aus der „besseren Gesellschaft“, ließ der Kinoregisseur Max Ophüls eine meisterhafte, aber kühle Inszenierung angedeihen. Ophüls zeichnete ein (Frauen-) Leben hinter Glas und Spiegeln. 1969 starb Louise de Vilmorin, zum kleinen Jubiläum findet eine Schwetzinger Soiree im Mozartsaal des Schlosses statt.

Gut gelesen

„Toujours l’amour“ mag zwar als Slogan etwas abgegriffen sein. Doch hier lässt er sich kaum vermeiden, die Französin schreibt auch in ihren Gedichten selten über etwas anderes. Nur zeugen diese noch ein bisschen stärker von Zerbrechlichkeit, denn Vilmorin war selbst eine zerbrechliche Person mit immer etwas angegriffener Gesundheit. Einen kurzen Abriss ihres Lebens, inklusive kleiner Leseproben, bietet Thomas Quasthoff, und er liest in Schwetzingen so gut, als ob er nie gesungen hätte, soll heißen: wie ein alter Profi. Er ist dabei eher Bass als Bariton.

Christiane Karg aber – sie trägt ein Vilmorin-affines blaues Kleid – ist Sopranistin. Und sie gibt den Liedern, die Francis Poulenc und die in Deutschland kaum bekannte Komponistin Claude Arrieu nach den Gedichten Vilmorins geschrieben haben, alles, was sie brauchen: das Kokette, das Mondäne und das Melancholische. Sehr fein, sehr elegant sind diese Lieder – und bisweilen etwas flüchtig. Aber Karg macht sie zu etwas hoch Artikuliertem, sie sind letztlich auch „nur“ eine Art, Konversation zu machen. Justus Zeyen greift das an den Tasten seines Flügels auf, mit viel rhetorischem Geschick, wobei sich der Klavierpart bei Poulenc noch etwas raffinierter ausgestaltet gibt. Doch auch Arrieus Musik entwirft ein schönes, sprach- figurbetontes Kleid. Es passt nicht bloß zu blauen Schals und Vorhangstoffen.