Kultur

Konzert Berliner Chansons und Gesang aus dem Mittelalter

Musik-Mix bei Jüdischen Kulturtagen

Am Anfang war der Ton. Ein Ton, der sich auf der Kanun, einer Art orientalischem Hackbrett, zu einem zittrigen Akkordgeflecht auswuchs, sich von einem kaum zu hörenden Beben zu einem Fluss von zwingender Präsenz entwickelte. Die Kanun, brillant gespielt von Muhittin Kemal Temel, war der Höhepunkt des "musikalischen Experiments", das zur Eröffnung der jüdischen Kulturtage stattfand. Der Abend im Jüdischen Gemeindezentrum Mannheim war als Beschnuppern zweier Musikkulturen gedacht: Chansons aus den Berliner 20er und 30er Jahren stießen auf Lieder und Gesänge jüdischer Komponisten aus dem mittelalterlichen Spanien und dem Osmanischen Reich.

Für den fernöstlichen Touch sorgten vier Dozenten der Orientalischen Musikakademie: Mehmet Ungan an Oud (eine Kurzhalslaute) und Ney (Schilfrohrflöte), sein Bruder Ali an der Tanbur (Langhalslaute), Serap Giritli mit ihrer Stimme und ihr Mann an der erwähnten Kanun. Zu viert ließen sie sehnsuchtsvoll-melancholische Weisen, bei denen sich die rauchige Stimme Giritlis auf wunderbare Weise mit dem virtuosen Spiel ihres Mannes und der leisen, aber hochpräzisen Begleitung der Lauten verband - eine Musik zum Träumen.

Schlager mit Orientklängen

Nach einem kurzen gemeinsamen Zwischenspiel ging es weiter mit Barbara Zechel, die mit Stefanie Biessecker am Klavier ein unterhaltsames Mini-Programm präsentierte. Kleinere Abstimmungsprobleme zwischen beiden überspielte Zechel souverän. Die frühen Schlager präsentierte sie mit großer Begeisterung, die sich sichtlich auch auf das Publikum übertrug. Zum Schluss der beiden Hälften versuchten sich die Musiker am eigentlichen Experiment: Sie mischten Zechels Schlagertexte mit orientalischer Begleitung, was im Piano einige schöne Momente bescherte. Schade, dass der Flügel von Biessecker die anderen Instrumente nur wenig zur Geltung kommen ließ - er war im Vergleich schlicht zu laut. Die Zuschauer waren am Ende trotzdem zufrieden: "Bravos" garnierten den langen Schlussapplaus.