Kultur

Klassik Jochen Kupfer eröffnet das dritte Hirschberger Liedfest

Musik von Schönheit und Schmerz

Archivartikel

Seine Lieder sind eingängig, sein Name als Komponist eher unbekannt: Hans Sommer (1837-1922) wäre gerne Musiker geworden, doch Stiefvater Voigtländer verfügte ein Mathematik- und Physikstudium. Nicht schlecht für den jungen Hans, denn erstens wurde er Professor, zweitens brachte er durch komplexe Berechnungen die Optik entscheidend weiter, und drittens blieb er der Musik dennoch treu. Auch deren Wertschätzung per Urheberrecht, gehörte er doch zu den Gründern der Komponisten-Genossenschaft, und die GEMA trägt noch heute die Kosten der Grabpflege in Braunschweig.

Schwebende Zärtlichkeit

Sommers Musik spricht für sich, wie Bass-Bariton Jochen Kupfer plus Liedfest-Gründer Alexander Fleischer am Klavier in der Alten Synagoge Leutershausen überzeugend nachwiesen. Über einem süffigen Klaviersatz entwickeln sich gleitende Gesangsphrasen zu Texten von Eichendorff und Heine.

Dessen bekannte Loreley erhält die Textur einer weit gespannten Ballade, während das Eichendorff-Lied „Frau Venus“ in seinem Überschwang an Schumann erinnern mag. Kupfer wirft eine volltönende, raumgreifende Stimme mit angenehmem Timbre in die Waagschale, Alexander Fleischer gestaltet seinen Klavierpart ebenso sensibel wie souverän.

Lieder des Jugendstils unter der Überschrift „Traum durch die Dämmerung“ erwarteten die vielen Hörer, welche das spätromantische Flair bei Franz Schreker und Richard Strauss ebenso schätzten wie die expressive Suche nach neuen Möglichkeiten der Liedvertonung bei Arnold Schönberg. Leicht und beweglich etwa der „Rosengruß“ von Franz Schreker.

Wiegenlied als Dankeschön

Voll schwebender Zärtlichkeit dann „Wozu noch, Mädchen“ von Strauss. Und natürlich gehört zu dieser edlen Auslese auch Gustav Mahler, dessen fünf Rückert-Lieder einen intensiven Atem zwischen Schönheit und Schmerz erhielten.

Beeindruckend die sängerische Spannweite, das sehr gut abgestimmte Zusammenspiel der beiden Künstler und die hohe Konzentration auch bei brütender Hitze. Zum Dank die „Zueignung“ von Richard Strauss und ein Wiegenlied von Hans Sommer.