Kultur

Schwetzinger Festspiele Geigerin Antje Weithaas konzertiert solo

Musikalische Botschaften und Spiele

Archivartikel

Schwetzingen.Die Konzertpause dient auch als Spiegelachse des Programms von Antje Weithaas, es besitzt also eine fast geometrische Struktur. Bach ist der Anfang und das Ende der Veranstaltung in Schwetzingen. Konzeptionelles Denken ist ein Markenzeichen dieser Geigerin, die großen Solowerke Bachs und Ysayes hat Weithaas schon auf mehreren CD-Einspielungen kunstvoll verschränkt. Im Mozartsaal kommen dazu noch ein paar geigerische Aphorismen György Kurtágs – der sich ebenfalls, wie Eugène Ysaye, häufig auf Bach beruft. Von diesem gibt es zwei Partiten, und zumindest deren schnelle Sätze hat man wohl noch nie so quecksilbrig gehört.

Tiefe ohne Schwere

Der hypervirtuose „Double“-Nachsatz der Courante aus der h-Moll-Partita etwa hat so wenig Erdenschwere wie ein Platzregen aus Sternschnuppen. Auch sonst zeigt Weithaas’ Bach, dass Tiefe keine Schwere braucht und mit verblüffend leichter Bogenhand zu modellieren ist. Darf man von „weiblicher Ästhetik“ sprechen, wie es manche Schwetzinger Besucher tun? Das harte Ringen um die Technik wird hier jedenfalls fast unhörbar gemacht – was freilich wiederum nur mit besonders guter Technik funktioniert. Die gibt Weithaas die Sicherheit, auch die Chaconne aus der d-Moll-Partita sozusagen kampflos zu durchschreiten, mit gemessener Dynamik und taghellem Ton. Sie ist bei ihr kein dunkles Rätsel-Labyrinth. Sie spricht.

In zwei Sonaten Ysayes gerät die geigerische Trick- und Zauberkiste eher noch ein bisschen größer, doch der musikalische Gehalt kaum kleiner. In der zweiten jongliert Weithaas mit dem „Dies irae“ aus der Totenmesse, stimmt es an, seziert es – oder wuchtet es empor. In Kurtágs knappen, tagebuchartigen „Zeichen, Spielen und Botschaften“ gelingt es ihr dann, auch spontan zu sein und manchen forschen Strich zu setzen. Denn konzeptionelles Denken ist nicht alles.