Kultur

Musikalische Demut

Der Teufel steckt bekanntlich im Detail – aber auch das Gegenteil: die Schönheit. Und so offenbart das neue Album des österreichischen Jazz-Gitarristen Wolfgang Muthspiel seine Klasse in den vielen wunderbaren Subtilitäten, die das Spiel dieses Saitenkünstlers auszeichnen: minimalste Tonbeugungen, zarte klangliche Valeurs, feinste harmonische Spreizungen, dezent platzierte Pausen. Muthspiel präsentiert sich auf „Angular Blues“ einmal mehr als bedächtiger Tonsetzer in der Tradition von Jim Hall und John Abercrombie. Ein Instrumentalist, der seine Beiträge stets voller Demut in den Dienst der Musik stellt. Überdies überzeugt er im Verbund mit dem kraftvoll agierenden Scott Colley am Bass und dem seismographisch reagierenden Schlagzeuger Brian Blade in einem Trio Gleichbrechtiger durch enorme stilistische Versiertheit. Schlägt einen Bogen von bukolischen Folk-Stimmungen („Wondering“) über temperamentvolle Bebop-Beschwörungen („Ride“) und vertrackte Blues-Paraphrasen („Angular Blues“) bis hin zu rockigen Anklängen („Kanon in 6/8“) und Barock-Reminiszenzen („Solo Kanon in 5/4“). Exzellent!

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