Kultur

Mozartfest Neue Klangwelten mit „bachSpace“ in der Lounge Amadé

Musikalische Metamorphosen

Archivartikel

Was im letzten Jahr noch als Experiment Premiere feierte, hat sich beim Würzburger Mozartfest im zweiten Jahr bereits etabliert. Die „Lounge Amadé“ hat ihre Anhänger gefunden. In der Clubatmosphäre der Odeon Lounge darf der Zuhörer auf Tuchfühlung mit den Musikern gehen, die mit „bachSpace“ besondere Wege beschreiten. Tamar Halperin am Klavier, Etienne Abelin an der Geige und Tomek Kolczynski am Soundcomputer sind exquisite Künstler, die ihre Zuhörer mitnehmen in ganz neue Klangsphären und -welten. Und über allem schwebt die Klangregie von Amadis Brugnoni.

Zugegeben, der Abend war nichts für Puristen. Wer klassische Sonaten oder zumindest bekannte Werke erwartet hatte, sah sich getäuscht. Auch wenn die Stücke zunächst genau so begannen in einer Location, in der sonst eher Rap zu hören ist. Doch welche Freiheiten sich die drei anschließend nahmen für ihre Interpretation, faszinierte das Publikum restlos.

Eigenwillig und faszinierend

Da verbanden sich Bachs Kompositionen mit spitzen Klavierklängen und ruhiger Geige zu einem Klangteppich, den Tomek Kolczynski in seine Loops aufnahm und in immer neuen Varianten mixte. Da waberten Klangkaskaden umher, ploppten Beats wie Seifenblasen auf und echoten durch den Raum – eigenwillig und faszinierend. Mal perlend leicht, mal schrill und schräg.

„Constellation“ nennen die drei ihre minutenlangen musikalischen Metamorphosen in die Moderne. Die kamen an bei den Zuhörern. Die Beats animierten zum Mitwippen. Dennoch: Gespannte Stille und Aufmerksamkeit überall. Und das, obwohl ausdrücklich geknabbert und getrunken werden durfte. Salzgebäck in kleinen roten Dosen lag griffbereit.

Natürlich stand auch Mozart auf dem Programm. Die spezielle Version von „La crimosa“ wurde just am Computer mit passenden Beats unterlegt. Nach dem kurzen Abstecher in die Welt von Wolfgang Amadé, bei dem auch der berühmte Brief an das Bäsle mit den gereimten Verballhornungen am Satzende nicht fehlte, zog es die drei Musiker wieder zurück zu Bach, ihren Remixes und in ihre eigenen Sphären.

Klassik in einem modernen Ambiente und mit moderner Umsetzung: Die Idee, junges Publikum für das Mozartfest zu gewinnen, hat gezündet.