Kultur

Würzburger Mozartfest Traditionelle Residenz-Gala

Musikalischer und kulinarischer Genuss

Würzburgs Mozartfest-Freunde, insbesondere die Traditionalisten, wollen ihre Nachtmusik im Hofgarten, erst recht aber ihre traditionelle Residenz-Gala nicht missen. So war wie immer für einen musikalischen und kulinarischen Höhepunkt im Vestibül, Gartensaal mit festlich illuminiertem Hofgarten und im Kaisersaal mit dem international besetzten L’Orfeo Barockorchester alles gerichtet.

Schon vor dem Konzert hatten sich die Gäste mit einem Flying Buffet und einem edlen Tropfen aus der Region stärken können, wie das spätere Diner kredenzt durch Sternekoch Benedikt Faust und das Team von „Mundgold – rebstock catering“ mit Kellermeister und bezaubernden fränkischen Weinprinzessinnen an allen runden Tafeln der etwa 400 Gäste.

Kein Kostverächter

Als Genussmensch liebte Mozart nicht nur die schönen Künste, sondern war auch in mehrfacher Hinsicht kein Kostverächter. Vielleicht hätte Würzburg für ihn mehr bedeutet als nur ein Kaffeestündchen auf der Fahrt zur Königskrönung Leopolds II. in Frankfurt, wenn er einen vollmundigen Veitshöchheimer Spätburgunder zu sich genommen hätte, der beim Gala-Diner zum Sous vide gegarten Kalbsfilet und Schweinebauch gereicht wurde.

Der Intendantin Evelyn Meining, die im Kaisersaal vor dem Konzert in Anlehnung an Giovanni Boccaccios Zitat zum Thema Reue launig meinte: „Lieber genießen und bereuen, als bereuen, nicht genossen zu haben“, hätte das Salzburger Musikgenie wohl vorbehaltlos zugestimmt.

Vor dem musikalischen Genuss der Don Giovanni- Ouvertüre war noch etwas Geduld gefragt, denn der Taktstock von Dirigentin Michi Gaigg sank wieder herunter, als Punkt 20 Uhr die Glockenklänge von St. Johannis den Kaisersaal erfüllten, dessen Fenster der Schwüle wegen weit offenstanden. Dann servierte das Ensemble der „historisch informierten Aufführungspraxis“ die Ouvertüren aus Mozarts „Don Giovanni“ und „Cosi fan tutte“ nebst elf vom Tenor Daniel Behle gesungenen Opernarien, die sich erfrischend und vollendet genießen ließen; keine Note war zuviel.

Charmant kündigte der international gefragte Tenor die längere, heute kaum noch zu hörende Urfassung mit der Schlusskadenz der Arie des Belmonte „Wenn der Freude Tränen fließen“ aus der Oper „Die Entführung aus dem Serail“ ausdrücklich an.

Auch bei diesem Vortrag überraschte er mit einer samtweich timbrierten Stimme, die lyrische Empfindsamkeit mit dramatischen Ausbrüchen zu verbinden wusste. Der exzellente Auftritt mit dem Barockorchester machte neugierig auf die gemeinsame CD-Einspielung von Mozart-Arien, die einen Tag nach dem Würzburger Auftritt in Oberösterreich auf Schloss Zell an der Pram begann; ganz auf der Höhe der Zeit durch Fans mittels Crowdfunding mitfinanziert.