Kultur

Kabarett Bodo Wartke mit Klavier im Mannheimer Capitol

Musikalität ergänzt Wortgeschick

„Ist Ihnen aufgefallen, dass die Königin der Nacht einen ähnlichen Satzbau verwendet wie Jedi-Meister Yoda?“, gibt Bodo Wartke seinem Publikum zu bedenken. Tatsächlich: Etwas verschwurbelt, redundant und grammatisch fragwürdig klingt Emanuel Schikaneders Libretto zur „Rache-Arie“ aus Mozarts „Zauberflöte“ schon, wenn es der Musik entkleidet dargeboten wird.

Vor allem aber ist es ziemlich lustig, wie der Kabarettist die gallig zeternden Worte der finsteren Monarchin vorträgt – und dabei mit onkelhaften Ernst in seinem Sessel sitzt, der einen Teil seines „Wohnzimmers“ markiert (dazu gehören auch Kleiderständer, Stehlampe, Tisch, Pflanze, Regal-Modul), das der Künstler nach eigener Einlassung mit ins ausverkaufte Mannheimer Capitol gebracht hat. Vorrangig dürfte im Fall des Klavierkabarettisten aber gelten: Zuhause ist, wo der Flügel ist! Den hatte Wartke eigentlich schon im Februar auf der Capitol-Bühne für sein „Was, wenn doch?“-Programm in Stellung bringen wollen, aber das Schicksal, genauer gesagt: Die Grippe hatte sich den Kabarettisten gegriffen und zum Pausieren gezwungen. Dafür beschert er seinen Zuschauern beim Nachspieltermin einen sehr unterhaltsamen, satte zweieinhalb Stunden langen Auftritt.

Starke Bühnenpartnerin

Der ausgewiesene Fachmann für „Klavierkabarett in Reimkultur“ vereint hierbei Musikalität mit Wortgeschick und besticht nicht zuletzt mit seinen nachdenklichen, melancholischen Chanson-Momenten (etwa: „Es reicht nicht“), in denen er über die Unmöglichkeiten und Unwägbarkeiten der Liebe sinniert. Ironischen Klamauk kann er auch („Ménage à trois“), und mit Melanie Haupt bittet Wartke zudem wiederholt eine schauspielerisch wie stimmlich starke Bühnenpartnerin an seine Seite – etwa, um gemeinsam einen Ausblick auf seine Neudichtung von „Antigone“ zu geben, in der die beiden sämtliche Rollen der antiken Tragödie modern und humorvoll interpretieren. Auch das macht reichlich Laune und Lust auf mehr. Riesenapplaus für Bodo Wartke und Melanie Haupt.