Kultur

Mutig, engagiert, perfekt

Archivartikel

Das jüngste Kammerkonzert war symptomatisch für die immer erfolgreichere Reihe „Musiksalon“ am Nationaltheater. Obwohl beim derzeitigen hohen Probespiel-Standard nur noch erstklassige Instrumentalisten die Aufnahme in ein A-Orchester schaffen, hätte der Geiger Arne Roßbach, als 12. der Ersten Geigen hierarchisch weit hinter Konzertmeistern und Vorspielern, woanders kaum eine Chance auf ein Solorecital. Der „Musiksalon“ steht auch Künstlern aus der zweiten Reihe offen, wenn sie ein solch spannendes Programm gemeinsam mit einem adäquaten Klavierpartner präsentieren.

Arne Roßbach (Violine) und Elias Corrinth (Klavier) hatten für ihr Konzert drei Sonaten „in Zeiten des Ausnahmezustandes“ (also beider Weltkriege) ausgewählt. Die recht kantige Tonsprache der Violinsonate g-Moll von Claude Debussy hat so gar nichts von jenem leichtfüßigen Impressionismus, mit dem der Hörer gleich ‚Debussy’ assoziiert (auch wenn’s dann oft von Ravel ist).

Die beiden Künstler spielten das anpruchsvolle Werk mit der gleichen Souveränität wie die folgende nicht minder sperrige Sonate von Leos Janácek, deren balladesker Tonfall im langsamen Satz recht schroff mit dem folgenden Allegretto kontrastiert, dessen Klaviereinleitung naiv wie ein Kinderlied daherkommt.

Schon im Kopfsatz Andante der Violinsonate f-Moll opus 80 von Sergej Prokofjew wurde offenbar, dass auch die Bildersprache des russischen Meisters eher verstörend wirkt. Gespenstisch huschende Motive über dem schreitenden Klavierbass; selbst in der trügerisch melodischen Zweistimmigkeit barg sich ein schmerzlicher Unterton.

Nach ein paar Sekunden ergriffener Stille erhob sich starker Applaus für ein mutiges, perfekt studiertes und engagiert gespieltes Programm.