Kultur

Zeitgenössische Musik Konzert von Bratscher und Toningenieur

Mystische Klangwelten

Archivartikel

Eine Reise durch Raum und Zeit: Beim Konzert der Gesellschaft für Neue Musik im Kunstzenrum zeitraumexit boten der Bratschist Christophe Desjardins und der Toningenieur Christophe Lebreton ein Programm, das die Grenzen der Musik neu definiert. Eröffnet wurde der Abend mit dem „Prologue“ aus den „Espaces Acoustiques“ von Gérard Grisey. Variierte Wiederholungen kreisen um das Ausgangsspektrum, das auf der Obertonreihe des tiefen E basiert. Desjardins beweist bemerkenswerte Klangkontrolle, unterstützt von Christophe Lebretons zurückhaltender Live-Elektronik.

„Messagesquisse“ von Pierre Boulez ist ein Stück für Eingeweihte. Das für Solocello und sechs begleitende Celli geschriebene musikalische Anagramm auf den Dirigenten und Mäzen Paul Sacher (Es - A - C - H - E - Ré (D)) hat Desjardins für Soloviola und sechs Violen bearbeitet. Von ihm selbst eingespielt, klingen Letztere aus sechs Lautsprechern, von Lebreton punktgenau gesteuert wie Geister aus einer Parallelwelt, die sich aus allen Richtungen bemerkbar machen.

Philippe Manoury komponierte seine „Partita I“ für Desjardins, sieben Teile widmen sich in strenger Form je einem bestimmten Klangausdruck. Die elektronischen Klänge lassen sich kaum von Desjardins’ Spiel unterscheiden, so neuartig ist das, was der Bratscher seinem Instrument entlockt. Die Musik fesselt. In diesen 45 Konzertminuten steht die Zeit still. Der langanhaltende Applaus ist mehr als verdient. kako