Kultur

Nachwuchsdirigenten vor der Staatsphilharmonie - Instrument Orchester

Archivartikel

 

Nicht nur die Erneuerung des Kinos scheint sich eher in Ostasien als im Westen zu vollziehen: Die fünf Nachwuchsdirigenten, die sich in der Ludwigshafener Philharmonie vorstellen – allesamt noch an der Mannheimer Musikhochschule eingeschrieben -, kommen aus Korea, China und Vietnam. Stefan Blunier, Professor für Orchesterleitung, sagt uns in der Pause, dass das neue Dirigier-Zentrum in Mannheim erst in seiner Aufbauphase stecke. Demnächst werde es gewiss auch deutschem Nachwuchs auf die Sprünge helfen. Dass seine Studenten oft aus Asien stammten, liege daran, dass die Klassik dort einen gewissen Chic besitze – als Musik für Aufsteiger. An Arbeitseifer fehlt es diesen Nachwuchskräften nie, Blunier verweist auf ihr mimetisches Vermögen, ihre Fähigkeit, Verhaltensweisen nachzuahmen. Was auch Dirigier-Gesten betrifft.

In Ludwigshafen hofft der Intendant der involvierten Deutschen Staatsphilharmonie, Beat Fehlmann, bei den fünf Konzertauftritten „jedes Mal ein anderes Orchester“ zu erleben. Ganz so kommt es nicht – die Staatsphilharmonie besitzt auch eine klangliche Identität. Mit der die junge Dirigentin Hyoeun Kim recht vorsichtig verfährt, in Mozarts „Figaro“-Ouvertüre wirkt die revolutionäre Explosivkraft eingehegt; doch dafür ist sie bis in alle Nebenstimmen durchhörbar. Kollege Chenglin Li macht in den Brahms’schen „Haydn-Variationen“ Ähnliches, die Gesten sagen immer wieder: Ruhig ein bisschen weniger! Er ist bereits ein Jungmechaniker, der jedes Rädchen im Getriebe des Orchesters kennt. Phú Son Nguyen steht ihm darin nicht nach, befragt die „Symphonie classique“ ergebnisreich: Wie haben Sie das bloß gemacht, Mister Prokofjew?

Ein Orchester wolle freilich auch ein bisschen „angesprungen“, animiert werden, erklärt Stefan Blunier. Den jungen Dirigenten nach der Pause glückt das: Hanna Pyo mit Mendelssohns „Hebriden-Ouvertüre“ (nordisch, aber nebelfrei) und mehr noch Hangyul Chung mit Kodálys „Tänzen aus Galánta“: Puszta-Glut bei 40 Grad im Schatten. Aber tolle Bläser-Soli.