Kultur

Nächtliche Abzocke

Es ist 24 Uhr. Geisterstunde. Sie schalten den Fernseher ein, um sich mit Musikclips in den Schlaf zu schaukeln. Doch dann das: diese „Ich zocke dich ab“-Werbungen. Dank des angepriesenen „Handyspions“ haben Sie die einmalige Chance, mit dem Verschicken einer SMS, die die Handynummer ihres „Schatzes“ beinhaltet, herauszufinden, wo sich Ihr Partner gerade befindet und ob er ein Date mit jemand Fremdem hat. Wenn das der Fall ist, werden Sie mit dem rot umrandeten „Fremdgeh“-Foto und einem aufdringlichen Signalton gewarnt. Dies funktioniert im Stil von „Google Earth“, einer Internetplattform, mit der Sie sich via Satellit an einen beliebigen Ort visuell „heranzoomen“ können. So geschieht das auch mit Ihrem Liebsten. Dieser wird per Funk geortet und auf frischer Tat ertappt.

Mit dem „Liebeshoroskop“ wird Ihre Zukunft in Sachen Liebe prophezeit und wenn Sie Ihren Vornamen und den Ihres Partners angeben, wird in genauer Prozentzahl analysiert, wie gut Sie beide zusammenpassen. Bei Disharmonie der Vornamen wird Ihnen dringend geraten, einen Schlussstrich unter Ihre Beziehung zu ziehen.

Dies alles können Sie Nacht für Nacht überprüfen und müssen dafür nur den stolzen Preis einer SMS-Nachricht bezahlen oder den monatlichen Abonnement-Preis in Kauf nehmen.

Jetzt brauchen wir uns auch gar nicht mehr zu wundern, warum die Scheidungsrate in der Bundesrepublik Deutschland steigt. Wer war daran schuld? Der Handyspion! Vielleicht sollte man nach dieser ernüchternden Erkenntnis doch lieber wieder auf die gute alte Telefonzelle zurückgreifen . . . Eva Müller-Foell