Kultur

Frankfurter Buchmesse Friedenspreisträger Sebastião Salgado äußert sich zu Massakern, Elend und Ausbeutung und hat Angst um Menschen – nicht um die Natur

Naturschützer schöpft neuen Mut

Als Fotograf hat er Massaker, Kriege, Elend und Ausbeutung miterlebt –und ist darüber fast an der Menschheit verzweifelt. Als Naturschützer schöpfte er neuen Mut. Auf der Frankfurter Buchmesse wird Sebastião Salgado nun mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt.

Vor der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels an ihn sendet er einen eindringlichen Appell: „Umweltzerstörung kann rückgängig gemacht werden“, sagte der 75-Jährige der Deutschen Presse-Agentur: „Wir haben genug Ressourcen, genug Wissen, genug Technologie, um wiederaufzubauen, was wir zerstört haben.“

„Das Salz der Erde“

Salgado wird am 20. Oktober zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse mit dem Preis geehrt. Die angesehene Auszeichnung ist mit 25 000 Euro dotiert. Anfang der 1990er Jahre hatte Salgado begonnen, die Farm seiner Eltern in Brasilien wieder aufzuforsten. Er gründete das gemeinnützige „Instituto Terra“, 1998 wurde das Land in ein Naturschutzgebiet umgewandelt.

Die Laudatio soll der Regisseur Wim Wenders halten, der den brasilianischen Fotografen im Jahr 2014 in dem oscarnominierten Dokumentarfilm „Das Salz der Erde“ porträtierte.

Gegen Brutalität und Gewalt

Als Fotograf hatte Salgado unter anderem den Völkermord in Ruanda miterlebt. Die Menschheit habe es nicht verdient zu leben, sagt er im Film zu Wim Wenders. „Ich hatte den Glauben an die Spezies Mensch verloren“, berichtet er im dpa-Interview. „Ich habe so schreckliche Dinge gesehen, so viel Brutalität, so viel Gewalt.“

Doch durch seinen unermüdlichen Einsatz für die Natur sei er heute viel hoffnungsvoller und glücklicher: „Ich habe entdeckt, dass es auf diesem Planeten nicht nur Menschen gibt. Was auch immer mit uns passiert: Der Planet wird da sein. Seit ich das weiß, kann ich in Frieden leben.“ Schon Anfang der 1990er Jahre begann Salgado, die durch Übernutzung ausgezehrte Farm seiner Eltern in Brasilien wieder aufzuforsten. Seither wurden weit mehr als zwei Millionen Bäume gepflanzt, vertriebene Tierarten kehrten zurück. „Im „Instituto Terra“ zeigen wir, dass es geht. Das ist meine große Hoffnung heute: Dass wir verstehen, dass Umweltzerstörung rückgängig gemacht werden kann.“ Um die Umweltzerstörung in Brasilien zu stoppen, müssten andere Länder Druck auf die Regierung ausüben, forderte Salgado.

Respekt vor dem Amazonas

„Die Europäer sollten kein Handelsabkommen mit Brasilien abschließen, ohne Bedingungen zu stellen. Und die Bedingung muss sein: Respektiert den Amazonas-Regenwald“, sagte Salgado. 2021 soll sein nächstes Buch erscheinen – über die Artenvielfalt und die Ureinwohner der Amazonas-Region. „Wir wollen ein Bewusstsein dafür schaffen, wie wundervoll, wie vielfältig, wie schön die Natur und die Menschen dort sind – damit wir sie lieben lernen und Amazonien verteidigen können.“ 

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