Kultur

Hintergrund Umbauten an drei Instrumenten beginnen

Neue Anlagen für Orgeln im Mainzer Dom

Archivartikel

Die Verträge sind unterschrieben, jetzt können die Pfeifen geformt werden: Der Mainzer Dom bekommt in den kommenden Jahren eine neue Orgelanlage, die mit 206 Registern und vier Spieltischen zu den größten Europas gehören wird. „Früher als geplant können wir jetzt starten“, sagt die Vorsitzende des Dombauvereins, Sabine Flegel. Zwei Orgelbauer aus Österreich und der Schweiz gehen gemeinsam an die Arbeit. Die erste von drei neuen Orgeln soll schon 2020 erklingen. Das Gesamtwerk könnte, so hofft Flegel, bis etwa 2025 vollendet sein – wenn genug Spenden gesammelt werden, etwa in Form von Patenschaften für einzelne Pfeifen. Die bisherige Orgel mit insgesamt 114 Registern, die von dem Bonner Orgelbauer Klais 1928 eingebaut wurde, ist in großen Teilen nicht mehr zu benutzen.

Zwei Firmen kooperieren

Die schon seit 1986 geplante Erneuerung umfasst drei große Abschnitte mit zwei völlig neuen Orgeln und der Neugestaltung des bestehenden Klangwerks im Westchor. Für die Mainzer Domorgel hat sich der Orgelbauer Rieger in Schwarzach im Vorarlberg mit dem Luzerner Orgelbauer Goll zusammengetan.

Los geht es in der Marienkapelle am Haupteingang des Doms zum Marktplatz. In dem dort verfügbaren recht begrenzten Raum wird Goll eine Orgel bauen, die vor allem darauf ausgelegt ist, den Gottesdienst zu begleiten, den Gemeindegesang zu führen und einen präzisen Klang zu erzeugen. „Sie hat nur 50 Register, aber für uns ist das trotzdem eine große Orgel“, sagt Goll-Geschäftsführer Simon Hebeisen. „Mit der mittigen Platzierung kann man eine intensive Präsenz und Nähe zum Klang erreichen.“

Für die Herstellung der Holz- und Metallpfeifen sowie der Windladen aus Eichenholz rechnet der Chef des Luzerner Orgelbauers mit einem ganzen Jahr. Die anschließende Montage und Intonation bedeuten Arbeit für ein halbes Jahr.

Spendengelder benötigt

Rieger steuert zur Marienkapellen-Orgel den Spieltisch und die Technik bei. Die wichtigste Aufgabe für die Österreicher wird dann aber der Bau der Orgel für den Ostchor sein – bis Ende 2022. Während die Orgel in der Marienkapelle vor allem auf die Barockmusik des 17. und 18. Jahrhunderts ausgerichtet ist, soll die Orgel im Ostchor mit 95 Registern die Gestaltung imposanter Klangwelten der französischen Symphonik des 19. Jahrhunderts und der Orgelmusik bis hin zu Olivier Messiaen unterstützen. Der dritte Bauabschnitt soll die Klais-Orgel erneuern, an ihrem ursprünglichen Platz im Westchor. Einige nicht mehr vorhandene Stimmen müssen dafür rekonstruiert werden. Für den zweiten und dritten Bauabschnitt werden Spenden gesammelt. dpa