Kultur

Kunst Sechs Künstler zeigen in der Mannheimer Stadtgalerie Port25 ihre „Bilder des Wohnens“

Nicht jede Bleibe lädt zum Bleiben ein

Wie wohnen Sie denn? Welche Gegenstände umgeben Sie täglich, wie sieht Ihr Wohnhaus von außen aus, Ihre Straße, Ihr Umfeld? Was wir einfach sehen, weil es da ist, steckt voller Nutzungs- und Bedeutungsschichten, und was sich da abspielt, stellen sechs Künstler (die meisten Fotografen) zur Diskussion im „Raum für Gegenwartskunst“ Port25. Ausgangspunkt war ein Forschungsprojekt der Fachhochschule Bielefeld, aber auch der regionale Bezug kommt nicht zu kurz.

Dabei zeigt sich die globale Vernetzung unserer Region, schließlich hat der 1980 in Haifa geborene Eyal Pinkas seine 16-teilige Fotoserie „Slaapdienst“ 2007 in Amsterdam aufgenommen: Seine provisorische Schlafstätte befand sich im Frühstücksraum eines Hotels, der jeden Morgen neu hergerichtet werden musste, wobei Stühle und Tische mit ihren sperrigen Beinen und Flächen jeweils abenteuerliche skulpturale Anordnungen hergaben. Noch surrealere Anblicke gelangen ihm mit unterschiedlichen Auswölbungen von Matratzen einer anderen Serie.

Architektur und Glasfassaden

Die großformatige dreiteilige Arbeit „BildRaum“ von Emanuel Raab befasst sich mit der Bildwirkung von Architekturen. Ein Teil ist außen an der Glasfassade des Hauses angebracht und wirkt sich durch ihre Transparenz bei Lichteinfall bis nach innen orientalisch dekorativ aus. Oben finden sich auf einer diagonal gesetzten Stellwand einerseits die leicht spiegelnde Glasfassade eines modernen Wohngebäudes in Rotterdam, auf der anderen Seite die Innenansicht eines zerfallenden Dachstuhls in Afrika. Drei Bilder von Behausungen zwischen Innen und Außen, zwischen Zugänglichkeit und Verschlossenheit, Stabilität und Unsicherheit.

In diesem Spektrum bewegen sich auch andere Positionen. Der in Hamburg lebende Roman Bezjak sah sich in Taschkent um, der 1966 durch Erdbeben weithin zerstörten Hauptstadt Usbekistans, die durch sowjetische Stadtplaner wieder aufgebaut wurde – in einer Mischung aus Modernität und traditionsreichen Ornamentmotiven. Wie viel Armut und Unbehaustheit sich hinter bunten Fassadenmosaiken und kunstvollen, lichtbrechenden Fensterrahmungen verbirgt, vermittelt sich auch ohne den Blick dahinter. Das Gefühl, zu Hause zu sein, setzt voraus, dass man sich mit seiner Behausung identifizieren kann, und ein in dieser Hinsicht prekäres Gleichgewicht beschränkt sich nicht auf den mittleren Osten.

Der 1983 in Mannheim geborene Marco Vedana hat seine nächste Umgebung fotografiert, die Häuser hinter den Hecken, die Garagentore, das Gebüsch an der Ecke, die Balkone – im „grauen“ Ludwigshafen hat er sich deutlich um Farben bemüht. Aber ach, die „Luoghi tedeschi“, die deutschen Orte, zeigen dennoch ihre von pflanzlichem Grün verbrämte Verschlossenheit. Dass hier der Austausch von Innen und Außen schrecklich, aber aufs Säuberlichste gestört ist, tja, es ist wohl einfach nur „deutsch“.

Zum Thema