Kultur

Congress Centrum Würzburg Philharmonisches Orchester führte Bruckners achte Sinfonie exzellent auf

Nie verebbender Einfallsreichtum der Musik

Das Mainfranken Theater veranstaltete im Congress Centrum mit dem Philharmonischen Orchester unter seinem Dirigenten Enrico Calesso das fünfte Sinfoniekonzert. 90 Minuten dauert Anton Bruckners kolossales Klanggemälde der achten Sinfonie, in „tiefster Ehrfurcht“ Franz Josef I., Kaiser von Österreich, gewidmet.

Wechselhaft warf dieses musikalische Monument milde melodische Linien und gleißend grelle Blechbläsertuttis in den großen Saal des CCW, der sich bei der umwerfenden Wucht dieser großflächigen Komposition als geeigneter Ort erwies. Bruckner, dieser einfache fromme Mann, wird nicht allein wegen seiner geistlichen Werke zu einem glorifizierten Heiligen von St. Florian erhoben. Wer die Partitur der Achten aufmerksam durchliest, dem wird die geniale Größe dieses meisterhaften Komponisten unmittelbar gewahr, der sich mit seinem Abgott Richard Wagner durchaus messen lassen kann.

Neben der architektonischen Überschaubarkeit bestechen die kontrapunktische Meisterschaft und der nie verebbende Einfallsreichtum seiner Musik, die selbst einige seiner Wiener Spötter vor Neid erblassen ließen. Enrico Calesso hatte diese grandiose Musik sicher im Griff, setzte die sich ständig steigernden Klangwellen ins rechte Licht, und die Ausführung der dynamischen Bezeichnungen beachtete er ohne zu starke Differenzierungen. Ein uneingeschränktes Lob gilt dem gesamten Orchesterapparat, vornehmlich der sicher intonierenden Blechbläsergruppe, überhaupt dem konzentrierten Engagement, mit dem sich die Musiker der Wiedergabe dieser Sinfonie angenommen haben.

Die gewaltigen katastrophischen Einbrüche im Ablauf der Musik trug die Aufführung unerbittlich mit. Calesso baute eine riesige musikalische Kathedrale auf, bei der kein Platz für eine weihrauchgeschwängerte Exegese war. Auch der oft bei Bruckner angedeutete mystische Weiheakt blieb hier Fehlanzeige. Calesso stellte sich nicht als Dirigent großer Gestik dar, sondern besann sich auf wichtige Impulse bei Höhepunkten der sinfonischen Entwicklung und auf dezente Zeichengebung für leise verhaltene Stellen.

Das Bruckner oft angedichtete Mystische oder gar Transzendente suchte man hier vergebens. Eminent straff hatte Calesso die Zügel in der Hand, weshalb bei der Wiedergabe dieses Riesenwerks nichts aus dem Ruder lief. Man hetzte nicht durch die Partitur, wobei das motivische Geflecht des groß besetzten Werks mustergültig aufgeschlüsselt ertönte. Die schroffe Kontrastdynamik entzauberte das übliche Bruckner-Bild vom demütig versunkenen Ersatzheiland.

Das Martialische und die bombastische Klangorgie der Tuttibläser wurden gnadenlos hervorgekehrt. Der weite Bogen in der Entwicklung melodischer Strukturen war stets präsent, und niemals erklangen ekstatische Glanzlichter nur oberflächlich. Alles war eingebunden in eine schlüssige Interpretation, an der das Publikum über eine Stunde lang aufmerksam zuhörend teilgenommen hatte. Dr. Klaus Linsenmeyer