Kultur

Würth Open Air „Revolverheld“ bieten am Samstag eingängige Rocksongs für die ganze Familie / Aura Dione und Benne sorgen als Anheizer für Stimmung

Nordlichter strahlen hell im Süden

Archivartikel

Es ist ein großes Familienfest am Samstag auf dem Würth Open Air- Gelände in Gaisbach. Kein Wunder – schließlich liefern „Revolverheld“ mit ihren eingängigen Pop-Rock-Songs den Soundtrack zum ausgelassenen Miteinander bei hochsommerlichen Temperaturen. Rund 6000 Fans von sechs bis 70 lassen sich zwei Stunden von den Liedern der Hamburger Band begeistern und singen frenetisch mit. Die Melodien gehen direkt ins Ohr und sind eine musikalische Schnittmenge, die vor allem Oma, Tochter und Enkelin in trauter Seligkeit vereinen. Eine tolle optische Präsentation, ein vorzüglicher Sound, eine Band, die Spaß an ihrem Tun hat, und natürlich Sympathie-Bolzen und Frontmann Johannes Strate tragen zusätzlich zur Wohlfühlatmosphäre bei. Die Nordlichter strahlen hell im Süden und erwärmen so manches (weibliche) Herz im Publikum.

Nach elf Jahren sind „Revolverheld“ wieder in Gaisbach zu Gast. Und die Band ist richtig groß geworden im vergangenen Jahrzehnt. Spielten sie damals noch als Support von Christina Stürmer und in Clubs, füllen sie mittlerweile die großen Hallen der Republik und sind bei Festivals mittlerweile Headliner und Publikumsmagnet. So war die letzte Tour nahezu an allen Stationen ausverkauft. Auch im deutschsprachigen Ausland ist ihr Beliebtheitsgrad enorm hoch. So ist die Hamburger Band auch beim Wiener Donauinselfest mit von der Partie gewesen.

Trotz der großen Erfolge in der jüngsten Vergangenheit geben sich die Bandmitglieder immer noch locker, kommen wie die Jungs von nebenan rüber und lassen so erst gar keine Kluft zwischen Bühne und Auditorium entstehen. Mit ihren Blumenhemden setzen sie optisch ein schräges Zeichen und legen als Trommler-Truppe und mit Papierschlangenregen eindrucksvoll los. Es folgt eine Reise durch die Bandgeschichte, bei der alle Schaffensphasen zum Zug kommen. Die Chemie stimmt vom ersten Moment an, die Menge singt frenetisch mit, groovt sich trotz großer Hitze schnell ein.

Die Songs, die von kleinen Alltäglichkeiten, großen Gefühlen, Weltschmerz, dem Erwachsenwerden (oder auch nicht), Liebeskummer, aber auch politischen und gesellschaftlichen Prozessen handeln, kommen an. Die zumeist etwas melancholischen, aber auch ein Gemeinsamkeitsgefühl vermittelnden Songs sprechen dem Publikum scheinbar aus der Seele.

Aber „Revolverheld“ können auch anders. Bei „Immer noch fühlen“ werfen sie allen seelischen Ballast ab, geben sich ausgelassen, musizieren stramm nach vorne und präsentieren eine Tanzeinlage wie einst die „Backstreet Boys“ in weißen Jacketts. Das Publikum lässt sich nicht zwei Mal bitten, intoniert „Tanzen wie beim ersten Mal“ nicht nur inbrünstig mit, sondern gerät selbst in Bewegung.

Die größten Abräumer sind die beiden absoluten Hits „Ich lass für Dich das Licht an“ und „Lass uns gehen“. Die beiden ersten Strophen werden jeweils, dirigiert von Johannes Strate, vom Publikum komplett gesungen, ehe der Fontmann und die Band einsteigen. Dazu gibt es tausende von Handylichtern.

Auch die Dramaturgie des Abends stimmt. Zur Überraschung des Publikums präsentieren „Revolverheld“, geschrumpft zu einem Quartett, den ersten Song der Zugabe „Liebe auf Distanz“ auf einer Mini-Bühne mitten im Publikum. Dazu gibt es große Bälle und Konfetti-Regen. Danach wird „Lass uns gehen“ frenetisch abgefeiert, ehe „Zimmer mit Blick“ nach zwei Stunden Spielzeit als ruhiger, aber eindrucksvoller Rausschmeißer den Auftritt beendet.

Nachdem Johannes Strate an den Auftritt vor elf Jahren vor allem schmerzliche Erinnerungen hat („Ich habe mir nach einem Sprung alle Bänder gerissen und musste im Rollstuhl von der Bühne und dann direkt ins Krankenhaus.“), wird der Samstag bei ihm, wie auch beim Publikum, sicherlich in überaus positiver Erinnerung bleiben. Ein Abend zum Genießen.

Auch die beiden „Anheizer“ tragen zu einem rundum gelungen Festivals bei. Benne macht den Auftakt unter gleißender Sonne und schafft es, dass die Fans schon kräftig mitklatschen. Kein Wunder, dass er bis spät in die Nacht, „Revolverheld“ sind schon von der Bühne, noch Selfies mit den Fans machen muss.

Aura Dione legt mit ihrer Band dann einen Zahn zu und sorgt mit locker-flockigen Songs wie „Geronimo“ und „I will love you monday“ für gute Laune im Publikum. Auch sie mischt sich unters Volk, setzt sich ins Publikum und singt gemeinsam mit den Fans.

Am Sonntag gibt’s in Gaisbach noch Classic Rock mit „The Alan Parson’s Project“ und „Foreigner“ sowie funkigen Rock mit „Mother’s Finest“.