Kultur

Konzert „Frontm3n“ bescherten dem Publikum in der Würzburger Johanniskirche viele Hits

Nostalgie mit Magie

Es gab mal eine Zeit, in der Cassettenrekorder groß angesagt waren. Alle Jugendlichen wollten Ende der 60er/Anfang der 70er Jahre einen haben. Nur so konnte man, von LPs oder vom Radio, sich seine eigene Hitparade oder eine Playlist für Freunde oder die „Angebete“ zusammenstellen. Da sie auch mit Batterie betrieben werden konnten, waren sie die ideale „Lala-Maschine“ für Partys oder Outdoor-Aktivitäten, gern auch mal am Lagerfeuer, wenn nicht gerade jemand seine akustische Gitarre dabei hatte.

Den Soundtrack für die Teenager, lange vor Walkman und Handy, lieferten auch „The Hollies“, „10cc“ und „The Sweet“. Die derzeitigen Sänger der drei Bands bescheren nun am Freitag rund 350 Zuhörern in der Würzburger Johanniskirche einen emotionalen Zeitsprung in ihre Pubertät. Es ist ein nostalgischer Trip mit magischen Momenten. Nur das Lagerfeuer hat gefehlt.

„Now we play a song from the seventies, when you were not born yet.“ Mit der typisch britisch-humorigen Ansage bringt es Pete Lincoln auf den Punkt. Vor allem Menschen jenseits der 60, also Youngtimer und „Best-Agers“, haben den Weg in die Johanniskirche gefunden, um den drei Sängern zu lauschen – anfangs eher ehrfürchtig, zum Schluss jedoch euphorisch. Denn was die drei „Frontm3n“ in zwei Stunden Spielzeit abliefern, ist für viele eine nachweihnachtliche, musikalische Bescherung, verbunden mit vielen Erinnerungen an die Jugend.

Zwar hieß es in der Ankündigung „Three men and three acoustic Guitars“, doch so eng sehen es die Herrschaften nicht. Mick Wilson greift des öfteren zum Bass, Pete Lincoln bisweilen zur E-Gitarre, deren Einsatz aber sehr dezent ist. Im Mittelpunkt stehen sowieso die Stimmen der drei Protagonisten, die durchweg exzellent sind. Das mag auch daran liegen, dass sie nicht die Original-Sänger der Kultbands sind, sondern erst vor rund 20 Jahren zu ihnen gestoßen sind. So sind sie alle um die 60 und im besten Sängeralter. Vor allem Peter Howarths Darbietung bei „He ain’t heavy, he’s my brother“ ist schlichtweg grandios und sorgt für den Gänsehaut-Moment des Abends.

Das reguläre Set beginnt mit einem „Hollies“-Song („Bus Stop“) und endet mit einem „The Air that I breathe“. Dazwischen gibt es weitere Hits der anderen Bands wie „Love is like Oxygen“, „Fox on the run“, „Ballroom Blitz“, „A glass of Champagne“, „Donna“ oder „I’m not in love“. Auch einige Songs ihres neuen Albums „All for love“ gibt es, die sich nahtlos in die Perlenkette der Ohrwürmer einreihen.

Vor der Pause braucht es eine Weile, bis Künstler und Publikum miteinander warm werden, schließlich ist es für fast alle das erste Date. Aber der sichtliche Spaß, den die „Frontm3n“ am gemeinsamen Spiel haben, überträgt sich auch aufs Publikum. Und so gibt es als Schlusspunkt ein gemeinsam gesungenes und getanztes „Dreadlock Holiday“.