Kultur

Klassik „Modern Times 3“ in der Ludwigshafener Friedenskirche

Ohne falsche Harmlosigkeit

Archivartikel

„Jetzt wollen wir sie dreschen“, verkündete Max Liebermann zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Ähnlich empfand es wohl auch Walter Kollo, dessen Volksstück „Immer feste druff!“ 1914 uraufgeführt wurde. Mit dem Kaisermarsch daraus begann die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz in der Ludwigshafener Friedenskirche das von Ernst Theis engagiert geleitete dritte Konzert ihrer Festival-Reihe „Modern Times“. Sie ist dem Jahr 1918 gewidmet und bot an diesem Abend unter dem Titel „Taumel(nd) am Abgrund“ höchst unterschiedliche kompositorische Positionen und damit gelegentlich auch eine verwirrende Vielfalt, die künstlerisch nicht immer optimal gelöst wurde.

Jedenfalls standen bis zur Pause mit Werken von Kollo, Johann Theimer, Jack Judge, Béla Bartók, Manuel de Falla, Irving Berlin, Al Piantadosi und Emmerich Kálman, respektabel gehäuft, stilistische Gegensätze auf dem Programm. Dabei erwies sich die Sängerin Ute Gferer als erfreulich vielseitig. Ihre besten Momente hatte sie allerdings im zweiten Teil mit Liedern von Rudi Stephan und den kantig vorgetragenen Vertonungen von Kurt Weil nach Texten Bertolt Brechts („Zu Potsdam unter den Eichen“).

Aufwühlend zum Schluss der „Zweite Bericht über den unbekannten Soldaten“ aus Weils „Berliner Requiem“. Nirgendwo herrscht falsche Harmlosigkeit. Das Orchester führt den Zuhörer mitten ins expressiv ausgelotete grausige Geschehen. Zuvor hatte das feinfühlige Spiel der Solistin Christiane Palm im „Poem für Flöte und Orchester“ von Charles Tominson Griffes einen überaus bemerkenswerten Akzent gesetzt, dem wenig später mit „Set Nr. 3 für Kammerorchester“ von Charles Ives ein weiterer Höhepunkt folgte. hub