Kultur

Nachruf Deutsch-russischer Schriftsteller lebte in Frankfurt

Oleg Jurjew gestorben

„Jeder Mensch ist in der heutigen, flüssigen Welt irgendwie ein Exilant, aber heißen wir das gut?“ Diese Frage beschäftigte den Schriftsteller Oleg Jurjew (Bild). Er stellte sie seinen Zuhörern in seiner Dankesrede zum Hilde-Domin-Preis für Literatur im Exil der Stadt Heidelberg, den er 2010 erhielt. In der Nacht zu Donnerstag ist der deutsch-russische Schriftsteller im Alter von 58 Jahren gestorben, wie sein Verlag gestern in Berlin mitteilte.

„Mit Oleg Jurjew verlieren wir alle einen wunderbaren Autor – und die Literatur hat einen großen und unermüdlichen Vorkämpfer für ihre Sache verloren“, sagte eine Sprecherin des Verbrecher Verlags. Der in Leningrad geborene Romancier, Lyriker, Dramatiker und Übersetzer lebte seit 1991 in Frankfurt. Er war mit der Schriftstellerin und Lyrikerin Olga Martynova verheiratet.

Ein Thema, das sich immer wieder durch Werke zog, war Antisemitismus. In seiner Arbeit als Kolumnist schrieb er auch über Weltliteratur. Jurjew veröffentlichte auf Russisch und in deutscher Übersetzung unter anderem die Romane „Frankfurter Stier“, „Spaziergänge unter dem Hohlmond“, „Der neue Golem oder Krieg der Kinder und Greise“ und „Die russische Fracht“ sowie mehrere Dramen und zahlreiche Essays und Aufsätze zur Literatur. JurjewsDerdpa (Bild: Rothe)