Kultur

Mozartfest Mit „Zauberflöte reloaded“ wagt Regisseur Christoph Hagel die Verbindung von Klassik und Jugendkultur

Opernsound im Hiphop-Style

Etwas Verrücktes wagen, eingefahrene Pfade verlassen: Beim Würzburger Mozartfest geht man ganz neue Wege. Mit „Zauberflöte reloaded“ wird aus der wohl bekanntesten Oper von Wolfgang Amadeus Mozart eine moderne Version, die das Ziel und vor allem das Zeug dazu hat, junges Publikum anzusprechen.

Hiphop-Sound tönt durch die Halle der Sektkellerei Höfer in Würzburg. Statt gediegener Orchesterklänge und Wiener Unterhaltungskultur des 18. Jahrhunderts drängen die Beats von Rapper Paul Lux immer weiter.

„Ich bin nicht gern allein, ich bin nicht gern für mich“, ruft er als „Papageno“ in den Wald. In Jogginghose und Hoody macht sich Papageno in seinem Rap auf die Suche nach einem Mädchen. Er will nicht nur chillen. „Ohne ein Mädchen ist das Leben langweilig.“ Daneben sorgen die Breakdancer der Würzburger Formation „Hot Potatoes“ mit ihrer Vorführung für jede Menge Begeisterung. Sie geben einen kleinen Vorgeschmack auf das, was das Publikum bei „Zauberflöte Reloaded“ am 19. und 20. Juni im Rahmen des Mozartfests erwartet.

„Das macht richtig Lust“, freut sich die Geschäftsführerin des Mozartfests, Katharina Strein, auf die ganz besonderen Aufführungen. Den hohen Ethos der Oper mit der heutigen Jugendkultur zu verbinden – das ist das Ziel der modernen Produktion.

Den Mitgliedern des Unternehmerkreises des Mozartfests und den Vertretern der Sparkasse Mainfranken, die diese Uraufführung ermöglichen, gefällt, was sie von Regisseur und Produzent Christoph Hagel vorgestellt bekommen.

Der Berliner hat die Auftagsarbeit der Mozartfestmacher um Intendantin Evelyn Meining in Szene gesetzt. Damit will man anknüpfen an „Breaking Mozart“. 2013 hatte das Cross-Over-Projekt in Würzburg Premiere und ist seitdem sehr erfolgreich. In den nächsten Monaten stehen Aufführungen unter anderem in Paris, Barcelona und Sofia an.

Experimentieren, Neues ausprobieren ist auch die Sache von Regisseur Christoph Hagel. Und so bringt er klassische Arien und Rap zusammen. Nichts für Puristen, aber eine spannende Interpretation des bekannten Opernstoffs um die Liebe zwischen Tamino und Pamina, Papageno und Papagena. Die drei Damen interpretiert der Regisseur als „Zickenalarm“, in die Rolle der Knaben schlüpfen die Breakdancer. Lediglich das Mystische der Oper bleibe in seiner bekannten musikalischen Gestalt erhalten, verrät er.

Die „Zauberflöte“ ist für ihn etwas ganz Besonderes, verbindet sie doch eine märchenhafte Erzählung mit den Motiven der Freimaurer, geschrieben zur Unterhaltung des Volks. Und ein bisschen Aufrührertum sei auch vorhanden. „Es ist die erste Operette mit dem hohen und dem niederen Paar und gleichzeitig auch das erste Musical“, so der Berliner.

Noch ist die Show, auf die sich nicht nur Katharina Strein und Evelyn Meining schon freuen, nicht fertig. Die Tanzstücke sind geschrieben, die inhaltliche Struktur ist festgelegt. Derzeit sei man aber noch in der weiteren Entwicklung, plaudert Schauspieler Paul Lux aus dem Nähkästchen der ungewöhnlichen Produktion. „Einfach crazy und krass“, findet er das Stück und das „Genie Mozart“. Der Rapper, bekannt aus der Netflix-Serie „Dark“, hat einen ganz neuen Zugang zu Mozart gefunden und will mehr junges Publikum mit dem Stoff erreichen. „Es ist ein gesellschaftliches Thema, das in einen Kontext gebracht wird, der Spaß macht.“

Und genau diesen Spaß sollen die Zuschauer der Aufführungen im Juni haben.