Kultur

Ausstellung Kunstverein Heidelberg zeigt „Technoscapes“

Organe aus dem Drucker

Wie verhalten sich Raum und Individuum, welche Bedingtheiten erwachsen aus Technologie und virtuellem Empfinden für die Kunst? Fragen, deren Antworten mit sehr unterschiedlichen, doch ziemlich anregend-aufregenden Ansätzen jetzt im Heidelberger Kunstverein zur Diskussion gestellt werden.

„Technoscapes“ nennt Hausherrin Ursula Schöndeling eine Präsentation, die auf den schnellen, oberflächlichen Blick verwirrend erscheinen mag, gleichwohl aber außerordentlich spannende Eindrücke und Assoziationen generiert. Denn Susanne Winterling, Delia Jürgens, Shawn Maximo und Valeria Abendroth messen digitale Techniken und den sprunghaften Wandel aktueller Technologie an deren ästhetischer und inhaltlicher Relevanz. Denn Kunst ändert sich auch mit den Möglichkeiten, die ihr die jeweiligen Zeitumstände zur Verfügung stellen.

An eine leicht gruselige Wunderkammer des Barock mögen die klinischen Modelle der Valeria Abendroth erinnern, die aus dem 3-D-Drucker generierte Organe und Skelett-Teile zeigen. Besonders originell: Der Drucker hatte aufgrund einer Fehlprogrammierung über Nacht ein Herz zu weißen Fäden versponnen, was wieder die komplexen Nestbau-Künste einiger Vogelarten ins Gedächtnis ruft. Und die Gebilde darf der Besucher haptisch erfahren.

Utopien einer Selbstmördersekte

Ganz eigenwillig auch die Installation von Shawn Maximo, der über Monitore eine Welt über und unter der Erde imaginiert, wozu die Utopien einer selbstmörderischen Sekte zur Millenniumswende den Anstoß gaben. Der Traum vom Entrücktsein und ewigen Leben wird hier ironisiert. Feinfühlig muten die Spiegelungen von innen und außen an, die Delia Jürgens auf verschiedenen, polierten Bildträgern einschließlich kommunikativer Modernität verschränkt, wobei sie zudem eigene Gedichte akustisch verfremdet. Susanne Winterling schließlich bringt Mikrokosmos und Kleinstlebewesen optisch ins Bewusstsein, macht sichtbar, was meist unsichtbar.

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