Kultur

Jazz In Thomas Sifflings Club Ella & Louis tritt die Mannheimer Band Kapelle 17 auf / Quintett fand sich während des Studiums an Musikhochschule

Originalkompositionen mit Tiefenwirkung

Bei ihrer Musik weiß man nicht sofort nach dem Anfang, wie es weiter geht. Im Gegenteil. Das Quintett Kapelle 17 fordert seine Zuhörer regelrecht heraus. In Mannheim, während des Studiums an der hiesigen Musikhochschule, hatte man sich gefunden und die Zusammenarbeit so geschätzt, dass man auch bei räumlicher Distanz das Projekt weiterführt. In Mannheims Jazzclub Ella & Louis lädt die hiesige IG Jazz mit Kapelle 17 eine Formation ein, die nicht nur überwiegend Eigenkompositionen mit Tiefenwirkung spielt.

Die Herausforderung für ihre Zuhörer liegt auch in der individuellen Spielweise der fünf Musiker. Besonders die Improvisationen von Gitarrist Jojo Mann mit ausgedehnten Single-Note-Passagen oder Benedikt Jäckle am Tenorsaxofon, dessen Soli nicht nur von instrumentaler Reife zeugen. Sein Spiel erinnert mit kurzen Tonfolgen gelegentlich an Saxofonimprovisationen eines John Coltrane – kein schlechtes Vorbild.

Interessant, vor allem im Aufbau, sind auch die Piano-Ideen von Paul Janoschka. Takt für Takt steigert der Offenbacher die Intensität in seinen Soli, so dass man stets mit Spannung den nächsten Impro-Chorus erwartet. Mit Jakob Obleser am Bass und Schlagzeuger Jonas Kaltenbach sind zwei rhythmische Begleiter in dieser Band, deren Markenzeichen die musikalische Übersicht ist.

Obwohl nur mit wenigen doch interessanten Soli hervortretend, behalten beide den rhythmischen Überblick bei der Musik von Kapelle 17. Bis auf die Komposition „Taurus People“ aus der Feder von Farouq Dawud, einem Stück, das besonders durch die Interpretation von dem 2004 verstorbenen Schlagzeuger Elvin Jones bekannt wurde, besteht das Programm des gesamten Abends aus Originalkompositionen. Hier zeigen die fünf Musiker nicht nur ihren geschmeidigen Umgang mit ungeraden Metren und rhythmisch pointierten Arrangements, sondern auch durch Stücke, die sehr frei komponiert und mit in der Länge offen gehaltenen Improvisationen gespielt sind.

Nicht dicht, sondern im Gegenteil, mit genügend Raum konzipiert, erscheinen besonders ihre Balladen, die mit viel Musikalität und Ruhe von einer gewissen Abgeklärtheit zeugen. Besonders bei diesen langsamen Stücken lohnt sich das ganz genaue Hinhören. Nimmt man die Herausforderung der Band an ihr Publikum an, hört man alsbald die reiche musikalische Substanz in ihren Kompositionen.

Zum Thema