Kultur

Pop Blödel-Barde feiert beim Wacken-Festival einen überraschenden Erfolg / Veranstalter ziehen positive Bilanz

Otto rockt die härtesten Fans

Das Heavy-Metal-Festival in Wacken ist bei seiner 29. Auflage problemlos geglückt. Während das Spektakel für die Fans harter, heftiger und lauter Rockmusik in den vergangenen Jahren den Ruf erlangt hatte, eine riesige Schlammschlacht zu sein, blieb es dieses Jahr bis zum gestrigen Nachmittag von Regen verschont. „Wir haben so ein Wetter noch nie gehabt. Aufbau trocken, Festival trocken, Abbau trocken – mehr geht nicht“, sagte Wacken-Mitgründer Holger Hübner.

Auch Rettungsdienste und Feuerwehr zeigten sich äußerst zufrieden mit dem Verlauf der Veranstaltung. Es habe keine nennenswerten Einsätze gegeben. „Ihr habt uns geholfen, die geilste Party des Jahres zu kreieren“, sagte Wacken-Mitveranstalter Thomas Jensen zu den Musik-Fans und Einsatzkräften. Zum Abschluss bedankten sich auch die Polizeibeamten explizit bei den Besuchern: „Ihr seht zwar böse aus und seid echt schrill – seid aber für die Polizei die besten Fans der Welt!!!“

Die rund 75 000 Besucher aus aller Welt hätten sich zudem fast komplett friedlich verhalten. Nur neun Mal sei es bei dem mehrtägigen Festival zu Körperverletzungen gekommen. Der Rettungsdienst habe jedoch in diesem Jahr wegen des warmen Wetters etwas mehr arbeiten müssen. Bis Samstagabend kümmerten sich die Helfer eigenen Angaben zufolge um rund 4300 Menschen.

Knapp 200 Bands und Künstler standen in diesem Jahr auf den verschiedenen Bühnen. Als Hauptattraktionen traten unter anderem die britischen Altmeister Judas Priest, die Mittelalterrocker In Extremo aus Deutschland und die schwedische Gruppe In Flames auf. Unter den Musikern war auch der wohl bekannteste Ostfriese Otto Waalkes. Er feierte bei den mitunter martialisch gekleideten Fans einen Überraschungserfolg.

„Otto! Otto! Otto!“, schallte es aus den Zuhörerreihen, noch bevor Deutschlands berühmtester Ostfriese überhaupt auf die Bühne kam. Otto Waalkes – seit gut zwei Wochen 70 Jahre alt – hatte sein Publikum beim Wacken Open Air von der ersten Sekunde an fest im Griff.

Es regnet Plüschtiere

„Ich freue mich, hier zu sein, in Wacken“, begrüßte er das Publikum. „Dann fangen wir doch gleich an mit einem kleinen Friesenlied. (...) Denn wir sind ja in Norddeutschland.“ Spätestens jetzt waren die letzten Zweifler im Publikum überzeugt. Die allermeisten in der Menge stimmten bei „Friesenjunge“ ein. Noch lange, nachdem Otto wieder von der Bühne verschwunden war, sangen die Fans seine spezielle Version von Stings Welthit „Englishman in New York“ im Chor weite.

Obwohl er in der Nacht zum Samstag mit der schwedischen Death-Metal-Band In Flames als eine der Hauptattraktionen des Festivals konkurrierte, strömten Tausende zum Auftritt des Blödel-Barden. Die von Otto präsentierten Lieder wurden ausnahmslos mitgesungen – egal ob Klassiker wie „Aber bitte mit Sahne“, „Dänen lügen nicht“, „Grund zum Feiern“ oder rockige Coverversionen von Queens „We Are The Champions“ oder AC/DCs „Highway To Hell“. Wobei „Grund zum Feiern“ bei sehr bierseliger Stimmungslage besonders großen Anklang fand. Bei „Zehn kleine Ottifanten“ warf der 70-Jährige Plüschversionen des Fantasie-Tieres ins Publikum – ein Exemplar für jeden in dem Lied gestorbenen Ottifanten.

Am Ende feuerte Otto mit einer Kanone eine Ladung Konfetti in die Menge. Unterstützt wurde er von seiner Band, den Friesenjungs. Er griff aber auch selbst zur Gitarre. Sein Alter merkte man ihm nicht an. Ottos Auftritt enthielt alles, was ein gutes Rockkonzert braucht: ein Lichtermeer aus Feuerzeugen und Handys bei Balladen, Fans, die bei schnellen Songs durch die Publikumsreihen getragen wurden, tausende Arme, die sich, in die Luft gereckt, im Takt von links nach rechts bewegen. Beharrlich forderte das Publikum eine Zugabe nach der anderen. Zwar konnte es Otto zu mehreren weiteren Liedern bewegen, doch nach gut eineinhalb Stunden war dann endgültig Schluss.