Kultur

Kunst Sammlung Prinzhorn zeigt 160 Werke psychisch Kranker zum Thema Architektur aus eigenen Beständen

Paläste entstehen auf Papier

Sie sahen nicht viel von draußen, häufig kannten sie nur ihre großen Schlafsäle, die vergitterten Fenster oder den Garten der Psychiatrie. Aber auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als diese Werke der psychisch Kranken entstanden, die in der Sammlung Prinzhorn in Heidelberg gesammelt wurden, verfolgten die künstlerisch Interessierten sehr genau das Baugeschehen ringsum. Mit diesem Thema unter dem Titel „Unruhe und Architektur“ beschäftigt sich die derzeitige Ausstellung der weltberühmten Sammlung, die im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA) ein rosafarbenes Gehäuse in den alten Hörsaal gesetzt bekam.

Gegliedert nach unterschiedlichen Themen von Fantasiearchitektur über historische Bauten bis hin zu Psychiatriegebäuden lässt sich auf den 160 Blättern erkennen, was einerseits den damaligen Zeitgeist bestimmte und andererseits vom geistigen Zustand der „Irrenhäusler“ gekennzeichnet war, wie sie damals noch hießen. Es handelt sich um Zeichnungen, Aquarelle, Pastelle und aus Papier und Stoff gewirkte Arbeiten. Sie sind bis zum 26. August in Heidelberg ausgestellt.

Ausgebildeter Künstler

Die wenigsten der Maler und Zeichner hatten eine Kunstausbildung wie etwa Paul Goesch (Jahrgang 1885, der studierte Architekt wurde 1940 von den Nazis ermordet). Er zeichnete großartig das Goetheanum (das Gebäude der Anthroposophen in Dornach in der Schweiz) als imaginierten Kopf, aber schuf auch die sehr lebendige Fantasiearchitektur eines bunten, schwankenden Portals. Gertrud d. P., über die nicht viel bekannt ist, schuf um 1919 viele kleine Architekturen in der Landschaft in Farbe, die sehr kenntnisreich wirken. Sehr instruktiv wirkt der um 1880 gezeichnete Lageplan der Regensburger Psychiatrie von Franz Kleber, der bei näherer Betrachtung eine schwarze Gummiumrandung erhielt, sozusagen eine Architektur gewordene Gummizelle darstellt.

Von Else Blankenhorn (1873-1920), die hauptsächlich unter „nervösen Krisen“ litt, wie man es damals nannte, stammen sehr malerische Blätter, auch von Karl Bühler (1864-1940, ebenfalls von den Nazis getötet), der als Kunstschlosser tätig war, stammt eine großartige Fantasiearchitektur, die sich an die mittelalterliche Buchmalerei anzulehnen scheint und aus Buchstaben Paläste formt. Sehr sehenswert!