Kultur

48. Kreuzgangserenade Ulrich Tukur und die Rhythmus Boys begeisterten in Kloster Bronnbach bei ihrem Auftritt am Samstag

Perfekt unterhaltsames Musiktheater

Archivartikel

„Meine Damen und Herren, leider muss ich ihnen mitteilen, dass dies wahrscheinlich die letzte Kreuzgangserenade war“, begann Landrat Reinhard Frank seinen traditionellen Empfang nach dem Konzert von Ulrich Tukur und den Rhythmus Boy“in der Orangerie. Ein Raunen ging durch die Zuhörer, denn solche Aussagen konnten sie nicht verstehen. Sie hatten vorher im Kreuzgang von Kloster Bronnbach ein Konzert erlebt, wie es in der Geschichte der Kreuzgangserenaden bisher einmalig war. Und damit soll jetzt Schluss sein, fragten sich viele. Doch Frank relativierte seine Worte schnell: „Nachdem der Scheich die Klosteranlage gekauft hat, müssen wir sehen, welches seine Pläne für die Zukunft sind“. Da wurde den Besuchern klar, der Landrat scherzte und nahm nur Bezug auf das Stück „Caravan“, das die Combo auf der Bühne nicht nur gesanglich und instrumental einmalig präsentierte, sondern auch schauspielerisch.

So kamen Tukur und Gitarrist Ulrich Mayer mit einer Kamelverkleidung auf die Bühne, während Kontrabass-Spieler Günter Märtens eben einen Scheich und zusammen mit Schlagzeuger Kalle Mews als seine Ehefrau Heike ein arabisches Paar aus den Ölmetropolen dieser Welt spielten. Dort hatte Tukur erwähnt, dass der „Scheich“ das Kloster gekauft hat.

Der ganze Abend der Kreuzgangserenade stand unter dem Motto „Grüß mir den Mond“. Dabei boten die vier Musiker weit mehr als nur einen Liederabend mit Stücken aus den frühen 1920er Jahren bis hin zu den 40ern und 50ern. Sie boten ausgesprochen unterhaltsames Musiktheater. Voller Selbstironie und Spielfreude gingen diese Herren ans Werk und ernteten dafür donnernden Applaus im ausverkauften Innenhof. Den hatte man noch schnell mit zusätzlichen Plätzen bestuhlt, denn selbst an der Abendkasse waren noch viele Besucher da, die um Karten für dieses einmalige Erlebnis nachfragten.

Eigenbetriebsleiter Matthias Wagner hatte fünf Jahre mit der Agentur der Künstler verhandelt, bis sie endlich kamen. Diese Beharrlichkeit zahlte sich aus. Tukur und seine Jungs interpretierten bekannte und unbekannte Schlager und Kompositionen auf eine vollkommen neue Art, mal laut, mal schrill, dann wieder leise und zart. Natürlich ist der bekannte Schauspieler und Autor der Kopf der Mannschaft, aber nur zusammen erklimmen sie selbst höchste Berge der Unterhaltungsmusik. Zu „Le soleil et la lune“, einem Musikstück der späten 1930er Jahre hält der Backnanger Ulrich Mayer „mit vollendetem Studium der empirischen Kulturwissenschaften an der Eberhard Karls-Universität in Tübingen“ eine epische Abhandlung über das Lied und seine Bestandteile. Da bleibt kein Auge im Kreuzgang trocken, zu komisch sind seine Ausführungen. Und als Günter Märtens als Mick- Jagger-Parodie über die Bühne hüpft und dazu auffordert, die Nacht miteinander zu verbringen (Let’s spend the night together), denkt man, man ist in einem grotesken Theater. Doch genau diese Mischung ist es, die den Abend ausmacht. „Ich liebe die Eleganz, die Leichtigkeit, die Gekonntheit der Musik und den Witz der Texte von Liedern aus dieser Zeit. Die gesamte Unterhaltungsbranche hatte in den 20er und 30er Jahren ein enorm hohes Niveau“ hatte Tukur schon im Vorgespräch zu diesem Abend geäußert und genau diese Leichtigkeit brachten die vier Musiker an diesem Abend auf die Bühne.

Dabei durfte eine gewisse Art von Slapstick nicht fehlen. „Man darf sich selbst nicht so wichtig nehmen“, sagt Tukur auf der Bühne.

Auf der Suche nach dem Mond

Immer wieder ist er auf der Suche nach dem Mond an diesem Abend, bei seinen Ansagen, dem Rezitieren von Gedichten oder eben bei der Musik. Doch der reale Mond ziert sich im Taubertal.

Der abnehmende Vollmond zeigt sich bei klarem Himmel erst nach dem Auftritt der Combo, doch da sind die vier Musiker schon beim Empfang des Landrats.

Auch das „Nachtgespenst“ – aus dem gleichnamigen Lied –, das die vier Musiker zur Pause von der Bühne geholt hatte, konnte den Himmelskörper auch nicht herbeiheulen.

Die Zuschauer waren nach dem letzten Ton sofort von ihren Sitzen aufgestanden und spendeten minutenlang Applaus im Stehen, ein eher ungewöhnlicher Vorgang für eine Kreuzgangserenade. Aber irgendwie passte auch das zu einem perfekten Abend der anderen Art, von dem man mehr erleben möchte in Kloster Bronnbach.