Kultur

Schwetzingen II Vonsattel überzeugt am Klavier

Perfekter Anschlag

Archivartikel

Nur mäßig gut besuchte Konzerte gibt es bei den Schwetzinger Festspielen nicht sehr viele; der Klavierabend des schweizerisch-amerikanischen Pianisten Gilles Vonsattel gehörte entschieden dazu – wohl deshalb, weil Vonsattel hierzulande nur wenig bekannt ist; leider, muss man sagen, denn er ist nicht nur ein Mann von staunenerregenden technischen Fähigkeiten, sondern mindestens ebenso ein Mann von Gedankentiefe und künstlerischer Risiko-Bereitschaft. Wer sonst beginnt sein Konzert mit Werken des britischen Zeitgenossen George Benjamin („Shadowlines“), gefolgt von einem Klassiker der Moderne, von Anton Weberns Variationen opus 27?

Es dauerte eine Weile, bis Vonsattel seine stupende Fingerfertigkeit unter Beweis stellen konnte – bis zu Schumanns C-Dur-Fantasie. Zuvor waren Brahms’ Klavierstücke opus 119 zu hören, auch dies wie Benjamins „Shadowlines“ ein eher melancholisches, nicht eben süffiges Werk.

Bedeutender Abend

Hier waren ganz andere Qualitäten gefragt, Anschlagsdifferenzierung zum Beispiel, und auch hier erwies sich Vonsattel als großer Meister. Er ist ein Perfektionist des Klavier-Anschlags, so viele Anschlags-Schattierungen hört man nicht oft. Vom explodierenden Vulkan bis zum schwelgerischen Tasten-Streichler beherrscht er die komplette Ausdrucks-Palette. Und dass ihm am Ende des haarig schweren zweiten Teils von Schumanns Fantasie der eine oder andere Ton daneben ging, wird hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Ernsthaft schmälern konnte es den Eindruck nicht, dass man gerade einen bedeutenden Klavierabend gehört habe. host