Kultur

Literatur regional Loimeier über „Literaturen aus Afrika“

Perspektiven einer jungen Weltkultur

Der Untertitel hat hier durchaus programmatischen Charakter: Mit dem Zusatz „Aufbruch in ein neues Selbstbewusstsein“ versieht der Literaturwissenschaftler und Journalist Manfred Loimeier sein jüngstes Buch über die, so der Titel, „Literaturen aus Afrika“. Die literarischen Zeugnisse des Kontinents sind ihm nicht nur Illustrationsmuster für Besonderheiten der afrikanischen Kultur, er nimmt sie vielmehr an und für sich wahr, als eigenständige sprachliche Kunstwerke – und eben auch so, wie es für westliche Dichtung seit je selbstverständlich ist.

Generalisierungen und rote Fäden über Genres und Landesgrenzen hinweg finden sich hier freilich auch – und Ausführungen über die spezifisch politische Dimension afrikanischer Literatur, der die Emanzipation von westlichen, kolonialistischen Denkmustern eingeschrieben ist. Sehr kenntnisreich und immer gut verständlich sind die Darlegungen des Autors, der auch Redakteur dieser Zeitung ist und an der Heidelberger Universität afrikanische Literaturen in englischer Sprache lehrt.

Gespräche mit Autorinnen

Der in Frankreich lebenden, gebürtigen Senegalesin Fatou Diome schenkt Loimeier besondere Aufmerksamkeit. Ein Kapitel ist ihrem Roman „Der Bauch des Ozeans“ gewidmet – eine gute Wahl auch deshalb, weil dieses von Konflikten afrikanischer Emigranten in der Fremde handelnde Buch tatsächlich auch hierzulande populär geworden ist und Schlüsselprobleme auf eingängige, plastische Weise vermittelt. Der literarischen Deutung fügt Loimeier ein ausführliches Gespräch mit der Autorin über ihr Schreiben an.

Ein weiteres Interview führte er mit der aus Simbabwe stammenden NoViolet Bulawayo, ebenfalls eine im westlichen Ausland lebende Vertreterin einer jüngeren Autorengeneration, die vor allem durch den hier ausführlich betrachteten Roman „Wir brauchen neue Namen“ bekannt wurde. Beide Autorinnen stehen nicht vor allem für ein Beharren auf einer afrikanischen Eigenständigkeit, sie suchen vielmehr kulturelle Synthesen und können so als Vordenkerinnen einer neuen Weltkultur gelten, zu der West und Ost, Süd und Nord gleichermaßen beizutragen haben. Etwas davon spürbar zu machen, das ist nicht zuletzt ein Verdienst von Manfred Loimeiers Buch. tog