Kultur

Schauspiel Ehefrau von NS-Gauleiter als Protagonistin

Pfalztheater zeigt Stück zu Hilde Bürckel

Archivartikel

Zum 80. Jahrestag der Deportation Tausender Juden aus der Saarpfalz und Baden bringt das Pfalztheater Zeitgeschichte auf die Bühne. „Bürckel! – Frau Gauleiter steht ihren Mann“ feiert in Kaiserslautern am Donnerstag Premiere. Hannelore Bähr spielt Hilde Bürckel, Ehefrau des pfälzischen Gauleiters Josef Bürckel. Er gilt als Mitorganisator der Deportation vom 22. Oktober nach Gurs, der „Vorhölle von Auschwitz“.

„Als der Schriftsteller Peter Roos mit der Projektidee auf uns zukam, waren wir sofort interessiert“, sagt Chefdramaturg Andreas Bronkalla. „Er erzählt das Leben und Wirken von Josef Bürckel aus der Perspektive seiner Witwe, nach Ende der Nazi-Diktatur und des Zweiten Weltkriegs.“ In der Erzählung gehe es immer auch um die Ausblendung und Verdrängung von Fakten und Relativierung. Das Geschehene müsse mit Mitteln der Kunst erfahrbar gemacht werden. „Man darf nicht vergessen: Die damaligen Ereignisse sind kein entferntes Abstraktum, sondern Täter und Opfer waren Menschen in dieser Region. Sie lebten und agierten auch in unserer Stadt.“

Es sei verblüffend, wie die Bürckel-Rhetorik dem Jargon heutiger Rechter ähnele. „Die NS-Vergangenheit scheint doch nicht so vergessen und aufgearbeitet, wie wir denken. Umso wichtiger, in der Kunst ein Zeichen dagegen zu setzen“, betont Susanne Schmelcher, die das Stück inszeniert hat.

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