Kultur

Nachruf Musiker Stefan Fritzen 79-jährig in Dresden gestorben

Pioniertat mit Orchester

Archivartikel

Auch die Musikstadt Mannheim trauert um Stefan Fritzen, der in der Nacht zum 1. Juni in Dresden im Alter von 79 Jahren an den Folgen einer Herzoperation verstorben ist. 1986 war der gebürtige Sachse nach einer glanzvollen Musikerkarriere als Soloposaunist (zuletzt bei der Dresdener Staatskapelle) mit den Ehrentiteln Kammermusiker und Kammervirtuose aus der DDR ausgereist. Es war ein Glückfall für Mannheim, dass damals an der Musikschule ein „Fachgruppenleiter für Bläser und Schlagzeug mit Neuaufbau eines Blasorchesters“ gesucht wurde.

In Fritzens Person verbanden sich profunde Kenntnisse physiologischer Abläufe und psychosomatischer Probleme mit großem pädagogischem Talent. Sein Postulat, ein Blasorchester habe „artikulatorisch, dynamisch und agogisch so zu spielen wie ein Sinfonieorchester“ wurde stets von den begeisterten Schülern mitgetragen. In unglaublich kurzer Zeit erzielte Fritzen mit seinen Ensembles, dem Sinfonischen Blasorchester und dem Blechbläserensemble, auch international enorme Erfolge, so errang man im Jahr 2001 beim 14. Weltmusik-Festival im niederländischen Kerkrade den 1. Preis „summa cum laude“.

Fritzen war Dozent für Blechbläser beim Landesjugendorchester; er leitete Orchester-Seminare an der Musikhochschule Stuttgart und Symposien für Musiklehrer. Natürlich war ein Experte seines Kalibers als Juror bei nationalen und internationalen Wettbewerben gefragt. Für seine herausragenden Leistungen wurde Fritzen 2005 mit der Schillerplakette der Stadt Mannheim sowie mit der Staufermedaille des Landes Baden-Württemberg geehrt. Stefan Fritzen, der Mannheims Musikleben fast zwei Jahrzehnte lang entscheidend geprägt hatte, kehrte nach der Pensionierung im Jahr 2005 in seine alte Heimatstadt Dresden zurück, wo er noch lange als Dirigent, Dozent und Publizist wirkte. (B: Rittelmann)