Kultur

Corona-Krise Kulturminister der Bundesländer wollen Pandemie-Beschränkungen lockern / Monika Grütters fordert Konzept von Kinos

Planvolle Öffnung in Sicht

Archivartikel

Für mehr kulturelles Leben in der Corona-Krise haben sich die Kulturminister von Bund und Ländern auf gemeinsame Eckpunkte verständigt. In einem sechsseitigen Konzept für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Regierungschefs der Länder spricht sich die Ministerrunde für „eine planvolle Öffnung weiterer kultureller Einrichtungen und Aktivitäten“ aus. „Eine dauerhafte Schädigung der reichhaltigen Kulturlandschaft hierzulande muss verhindert werden“, heißt es in dem der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vorliegenden Papier.

Aus Sicht der Kulturminister haben während der Pandemie „viele Akteure eine beachtliche Kreativität entwickelt, um ihr Publikum digital zu erreichen und somit einen eigenen Beitrag zur kulturellen Grundversorgung zu leisten“. Die Krise bedeute für Kunst- und Kulturschaffende einen tiefen Einschnitt in künstlerische Freiräume. Viele Künstler und Einrichtungen seien durch die Beschränkungen existenziell gefährdet. Auch nach Wiedereröffnungen werde es „aufgrund der nötigen Schutzmaßnahmen noch lange hohe Einnahmeverluste geben“.

Programmangebote anpassen

Mit der Öffnung erster Bibliotheken, Museen oder Ausstellungshäuser seien bereits wichtige Schritte gemacht worden. Für ihre weitergehenden Vorschläge berufen sich die Kulturminister auf Konzepte einschlägiger Branchen- und Berufsverbände, die „eine bundesweit möglichst einheitliche und transparente sowie sichere Handhabung“ gewährleisteten. Voraussetzung für Lockerungen seien jeweils die lokalen Entwicklung der Infektionszahlen. Auf der Basis sollten Vor-Ort-Konzepte entwickelt werden, „die individuell an die jeweilige Spielstätte, Einrichtung oder Veranstaltung angepasst sind“.

Zur Begrenzung von Besucherzahlen sollen etwa in Theatern Sitzplätze und ganze Sitzreihen ausgelassen werden. Ticketing-Systeme könnten dabei Mindestabstand sicherstellen. Zum Vermeiden von Warteschlangen wollen die Kulturminister Online-Tickets und Zeitfenster. Besucherströme sollen geregelt werden etwa über Verzicht auf Abriss von Eintrittskarten, Scans von Tickets oder zeitversetzten Einlass. Zur Verringerung der Aerosol-Belastung in Sälen und Innenräumen werden ergänzende Konzepte empfohlen. Zudem sollen Kontaktdaten von Besuchern zur Nachverfolgung bei Erkrankungen gespeichert werden.

Beschränkte Probenarbeit

Zum Schutz künstlerischer Akteure sind nach dem Papier unterschiedliche Regelungen für Darsteller auf der Bühne, Orchestermusiker, Chorsänger, Tänzer oder Schauspieler notwendig. In Probenräumen oder Garderoben soll die zulässige Personenzahl beschränkt werden. Aus Sicht der Kulturminister müssen künstlerische Programme den veränderten Bedingungen angepasst werden. Dabei sei „ein Höchstmaß an Flexibilität erforderlich“. Das Papier für Merkel und die Länderchefs empfiehlt eine „möglichst zügige Wiederaufnahme des Probenbetriebs für möglichst alle Sparten“. Es sollten zunächst kleinformatige Darbietungen „sowohl in geschlossenen Räumlichkeiten als auch im Freien“ zugelassen werden. Daneben werden Freiluftaufführungen oder Formate in kleinerer Besetzung sowie Mehrfachaufführungen kürzerer Programme empfohlen.

Kinos sind nach Erkenntnis der Kulturminister „wesentlich vom überregionalen, oft bundesweit einheitlichen Programmangebot und Filmstarts der Filmverleiher abhängig“. Planungsvorläufe trügen zu einem erfolgreichen Neustart der Kinos bei. Soweit nicht bereits in den Ländern festgelegt, sollten „möglichst nahe beieinanderliegende Wiedereröffnungstermine angestrebt werden“. Open Air und Autokinos sollten „baldmöglichst (wieder-)eröffnet werden“, sofern dies noch nicht erfolgt sei.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters hat unterdessen Hilfen für die Kinos in Deutschland angekündigt. So würden die Förderkriterien des im März gestarteten Zukunftsprogramms für die Branche erleichtert, teilte Grütters am Sonntag in Berlin mit. Für Investitionen stelle der Bund den Filmtheatern allein 2020 rund 17 Millionen Euro zu Verfügung. Die Höhe des Bundesanteils der Hilfen werde erhöht.

Die Corona-Krise treffe die Kinos „besonders hart“, betonte Grütters: „Die Kinos werden auf absehbare Zeit nicht zu einem Normalbetrieb zurückkehren können und von den Schließungen länger betroffen sein als andere Bereiche.“ Den erzwungenen Stillstand könnten die Häuser für dringend notwendige Modernisierungen nutzen. Das Zukunftsprogramm Kino ermögliche auch bauliche Maßnahmen zur Sicherstellung des Gesundheitsschutzes.

Weitere Hilfen für die Branche würden im Bund diskutiert. Nötig sei zudem rasch ein bundesweit einheitliches Konzept für die Wiedereröffnung der Kinos. Es müsse von den Kinoverbänden ein Termin genannt werden, zu dem bundesweit alle Kinos wieder geöffnet haben. „Nur ein zeitlich abgestimmtes Öffnungsszenario ermöglicht es, dass wirklich alle Kinos gleichermaßen von den Filmen profitieren können, auf die wir alle so sehr warten“, betonte Grütters.

Teil des Konjunkturpakets?

Auch zur finanziellen Stützung der gesamten Kulturszene setzt die Bundesstaatsministerin auf ein „Rettungs- und Zukunftspaket“ des Bundes. Mit dem Paket sollten große Härten abgemildert werden, die durch die Corona-Pandemie bei kulturellen Einrichtungen entstanden seien. „Ein Schwerpunkt des Programms liegt auf Maßnahmen, mit denen überwiegend privat finanzierte Einrichtungen einen pandemiegerechten Wiederbeginn ihrer Aktivitäten ermöglichen können.“ Dafür werden laut Grütters „zügig“ Richtlinien abgestimmt, „damit die Förderungen gemeinsam mit dem Start eines Konjunkturpakets sofort ausgezahlt werden können“.

Finanzminister Olaf Scholz (SPD) hatte angekündigt, Kulturschaffende sollten Teil des Konjunkturprogramms werden. Nach einem Bericht des „Spiegels“ sollen die Hilfen im Vergleich zu anderen Bereichen gering ausfallen. Sie sollten nicht einmal einen „mittleren einstelligen Milliardenbetrag erreichen“, hieß es unter Berufung auf das Finanzministerium. Aus Kreisen der Länder war ein Programm von zwei Milliarden Euro von Bund und Ländern ins Gespräch gebracht worden. (mit dpa/epd)

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