Kultur

Plessens „Unerwünschte“

Als Elisabeth Plessen 1976 ihren Roman „Mitteilung an den Adel“ veröffentlichte, war das wie ein Paukenschlag – nicht nur in der eigenen adeligen Familie mit uralter Tradition und Geschichte. Es war auch eine Abrechnung mit jener Generation, die Krieg und Elend zu verantworten hatte. Nun kehrt sie in ihrem neuen Roman „Die Unerwünschte“ in diese Kreise zurück und beobachtet, bisweilen aus der Ich-Perspektive, feinnervig und hochsensibilisiert, was aus der Welt des Adels und der Gutsbesitzer hoch oben im Holsteinischen geworden ist. „So viel Familie, zum Ersticken“, heißt es gleich am Anfang. Dennoch taucht Charlotte, die nie geheiratet hat, zusammen mit ihrer Großnichte Alma ein in den komplexen Beziehungskosmos ihrer beider Gutsbesitzerfamilien, sie blicken auf Gut Greiffensee, wo Almas Großmutter Stefanie herrscht, und auf Gut Ahlefeld, wo Charlottes Mutter Ingrid bereits das Zepter abgegeben hat an ihren Sohn. Ihr besonderes Augenmerk gilt dabei den einschneidenden Veränderungen, die das Ende des Zweiten Weltkrieges mit sich gebracht hat: ein kompliziertes Geflecht aus Aufbruch und Tradition, aus Emanzipation und Rollenklischee, eine Geschichte über Freiheit und Zwang. Keineswegs streng chronologisch, eher mäandernd nimmt die 1944 geborene Autorin Szenen und Situationen in den Blick: präzise, voller Feingefühl. Sti

Die Unerwünschte. Roman. Berlin Verlag, Berlin. 379 Seiten, 22 Euro.