Kultur

Mainfranken Theater Neue Ballettcompagnie vorgestellt

Poesie und Ästhetik

Archivartikel

Aus zehn Ländern kommen die zwölf Mitglieder der neuen Tanzcompagnie am Mainfranken Theater, deren unterschiedliche Biografien Würzburgs Ballettchefin Dominique Dumais zur Saisoneröffnung in Würzburg mit ihrem Tanzstück „Chansons“ künstlerisch verarbeitete. Uraufgeführt wurde es 2008 am Nationaltheater Mannheim, wo Dumais seit 2002 Hauschoreografin und später stellvertretende Ballettintendantin war. Schon während ihrer Karriere als Solistin am National Ballett of Canada war sie gleichermaßen im klassischen Ballett und zeitgenössischem Tanz zu Hause.

Stimmungen und Assoziationen

Die ausgewählten 26 Chansons inspirierten Dumais zu einem farbigen Bilderbogen, der weniger die oft melancholischen Texte in Szene setzte, sondern assoziativ die beim Hören aufkommende Stimmungen beschrieb. Bestes Beispiel war „Les cornichons“ von Nino Ferrer; beschrieben wurden die Vorbereitungen eines Picknicks in der Natur, das wegen des einsetzenden Regens ins Wasser fiel. Doch nur die mit den Klängen aufkommenden Gefühle und Gedanken bestimmten das Geschehen auf der Bühne. Kein Wunder also, dass Musik und Tanz gleichberechtigt erschienen.

So brachte Dominique Dumais ihr Ensemble mit vielen unterschiedlichen Biografien den Zuhörern näher und erinnerte gleichzeitig daran, wie schnell sich die Tänzerinnen und Tänzer, die später mit nonverbaler Kommunikation glänzten, seit Ende August in Würzburg zusammenfinden mussten. In dieser kurzen Zeit hat die Choreografin ihre eigene Bewegungssprache, die im weiten Feld zwischen Formation und Auflösung den unterschiedlichen Charakteren viel Freiraum lässt, einfühlsam vermitteln können.

Laszive Drag Queen

Der Klangteppich aus eher selten gehörten Chansons von Jeanne Moreau, Jeff Buckley, Carla Bruni, Léo Ferré, Jacques Brel, Thomas Feiner, Camille oder Fabienne Thibeault ließ den Zuhörer fast meditieren; unterbrochen durch hochexplosive, intensive Momente des Tanzensembles, aus dem sich immer wieder ausdrucksstark tanzende Duos wie Clara Thierry und Dominic Harrison zu Cohens „Hallelujah“, Deborah Di Biagi und Étienne Gagnon-Delorme zu Lhasas „El desierto“ oder Viola Daus und Tyrel Larson zu Jacques Brels „La chansons des vieux amants“ lösten. Eine laszive Drag Queen bereicherte Jacques Brels „Amsterdam“; ein Chanson, gesungen von Isabelle Boulay über einen Landgang der Matrosen im Rotlichtviertel. Wer nach einem roten Faden des Abends suchte, wurde bei den nicht zusammenhängenden, thematisch völlig unterschiedlichen Episoden kaum fündig, wohl aber bei den Tänzern mit ihren individuellen, charakteristischen Bewegungsmustern, die sich auf hohem Niveau wiederholten. Die ersten Zeilen des Songs von „Mardi Grass bb. Feat“ im gleichnamigen Film könnte das Motto des Tanzstücks insgesamt sein, das vom Würzburger Publikum wohlwollend bis begeistert aufgenommen wurde.