Kultur

Schwetzingen I Abend mit Debussy und Zimmermann

Pointierte Darstellung

Archivartikel

Gedenkjahr: Vor 100 Jahren wurde Bernd Alois Zimmermann geboren, vor 50 Jahren sein „Ballet blanc: Présence“ in Schwetzingen von John Cranko szenisch uraufgeführt. Jetzt hat Yves Ytier das Stück choreographiert und gemeinsam mit dem Ensemble Ubu den Begriff „blanc“ wörtlich genommen. Ganz in Weiß agieren die Tänzer und das Klaviertrio, lediglich der Hintergrund-Sprecher kontrastiert in Schwarz. Flüchtige Momente entwirft Ytier als Spiegelfechtereien des Seins, wenn versucht wird, den philosophischen Überbau des Komponisten, etwa von der Kugelform der Zeit, dingfest zu machen. Sublime Tanz-Erotik in begrenztem Bewegungs-Spielraum korrespondiert mit der eigenwilligen, spröden, gleichwohl äußerst suggestiven Musik von Bernd Alois Zimmermann.

Das Klavierduo Andreas Grau und Götz Schumacher präsentierte neben einem umfangreichen Debussy-Programm auch die „Monologe“ für zwei Klaviere von Bernd Alois Zimmermann. Wobei das dialogische Element implizit angelegt ist und über Evokation zur Evolution führt. Im (mathematisch gedachten) Chaos werden Zitate immer wieder zu Ausgangspunkten. Das spieltechnisch höchst anspruchsvolle Stück erfährt eine zugespitzte, pointierte und so erst erfahrbare Darstellung.

Farbspiele aus Klang

Und natürlich ist das Duo „Grauschumacher“ auch bei Debussy in seinem Element. Farbspiele aus Klangsinnlichkeit entwickelt, klare strukturelle Vorstellungen, die in manchen Debussy-Interpretationen gerne verwischt werden, und überlegene manuelle Präsenz machen den Reiz dieses Zugangs aus (Nachmittagsstunde eines Fauns; En blanc et noir; Six épigraphes antiques; Nocturnes). Das Publikum: erschöpft, aber beglückt. bri